19. August 2009: 1. Welttag der humanitären Hilfe

Genf - Mit Blick auf den 1. Welttag der humanitären Hilfe, erklärte UN-Flüchtlingskommissar António Guterres, die humanitären Helfer und deren Organisationen würden sich in einem schrecklichen Dilemma befinden. Die zunehmenden Bedrohungen gegenüber humanitären Helfer werfen die grundlegende Frage der Sicherheit von Mitarbeitern in risikoreichen Umgebungen auf.

"Wir sind immer noch geschockt über den brutalen Mord an unseren Mitarbeiter Zill-e-Usman, der vor kurzem im Katcha Gari Camp in einer Grenzprovinz im Nordwesten Pakistans von nicht indentifizierten Bewaffneten erschossen wurde.

Bei dem Anschlag am 16. Juli wurden ein weiterer Mitarbeiter des UN-Flüchtlingskommissariats (UNHCR), Ishfaq Ahmad, verwundet und ein Wachmann der afghanischen Flüchtlingskommission getötet. Berichten zufolge eröffneten vier oder fünf Bewaffnete das Feuer auf Usman, als er während eines Routinebesuchs vom Verwaltungsbüro des Camps zurück zu seinem Auto ging.

Er ist damit der dritte UNHCR-Mitarbeiter, der in diesem Jahr in Pakistan getötet wurde. Am 9. Juni starb Aleksandar Vorkapic bei einem Bombenangriff auf das Pearl Continental Hotel in Peshawar. Am 2. Februar wurde Syed Hashim, ein UNHCR-Fahrer, während der Entführung von John Solecki, dem Leiter des Büros in Quetta, getötet. John Solecki wurde später freigelassen.

Diese Mörder sind grausame Verbrecher. Es gibt keinerlei Rechtfertigung für Anschläge gegen humanitäre Helfer, die sich dem Schutz und der Unterstützung von Menschen in größter Not widmen. Der Mord an Zill-e-Usmann ist ein Verbrechen und eine Tragödie, die uns alle angeht.

Am 19. August wird erstmals der Welttag der humanitären Hilfe begangen. An diesem Tag gedenken wir Zill-e-Usman und der vielen hundert weiteren UN- und NGO-Mitarbeitern, die ihr Leben bei der Erfüllung ihrer Pflichten in der Welt verloren haben. Diesem Datum kommt eine besondere Bedeutung zu, da am 19. August 2003 der UN-Sonderbeauftragte Sergio Vieira de Mello und 21 weitere Menschen bei einer verheerenden Bombenexplosion in Bagdad zu Tode kamen.

Die aktuellen Todesfälle der humanitären Helfer werfen die grundlegende Frage der Sicherheit unserer Mitarbeiter in risikoreichen Umgebungen auf. Sie konfrontieren uns mit dem Hauptproblem aller humanitärer Organisationen: Wie können wir Menschen in größter Not bei ihrem Kampf ums Überleben beistehen und gleichzeitig die Sicherheit unserer Helfer gewährleisten?

Unsere Fähigkeit denen zu helfen, die diese Hilfe am dringendsten brauchen, wurde mehrfach unter Beweis gestellt in so genannten 'humanitären Grauzonen',  in denen wir arbeiten müssen. Die Art der Konflikte verändert sich mit der zunehmenden Anzahl bewaffneter Gruppen, von denen einige offensichtlich humanitäre Helfer als legitime Angriffsziele betrachten.

Ein weiteres bedrückendes Beispiel hierfür ist der Mord an Natalia Estemirova.  Sie war Mitarbeiterin von Memorial, einer UNHCR-Partnerorgansiation in Russland. Im Juli 2009 wurde Natalia Estemirova in Inguschetien im Nordkaukasus tot aufgefunden. Zuvor war sie aus ihrem Haus in Tschetschenien entführt worden.  Neben ihrer Arbeit als prominente Menschenrechtsanwältin hat sich Natalia Estemirova ehrenamtlich für Memorial und das UNHCR-Projekt in Grozny engagiert. Sie setzte sich für Binnenvertriebene in Tschetschenien und deren sichere Rückkehr in ihre Häuser ein. Seit dem Jahr 2000 arbeitet Memorial als UNHCR-Partner im Nordkaukasus. Für ihre herausragende Arbeit wurde die Organisation vier Jahre später von UNHCR mit dem Nansen-Flüchtlingspreis ausgezeichnet.

Humanitäre Helfer arbeiten in den gefährlichsten Regionen der Welt und riskieren ihr Leben, um Menschen in größter Not zu helfen. Jede humanitäre Organisation und die UN insgesamt müssen die Sicherheit ihrer Mitarbeiter garantieren. Dies muss oberste Priorität genießen und ist nicht verhandelbar.

Einhergehend mit der Entwicklung bewaffneter Konflikte und der sich ändernden Einstellung einiger kriegführender Staaten, haben die gezielten Angriffe auf humanitäre Helfer zugenommen. Daraus ergibt sich ein Spannungsverhältnis, in einigen Situationen sogar ein Widerspruch zwischen der Sicherheit der Mitarbeiter und der zu leistenden humanitären Hilfe. UNHCR hat zunehmend Probleme, vorhandene Sicherheitsrisiken als zumutbar für seine Mitarbeiter einzustufen.

Dieser Gedenktag zeigt, welch' schreckliches Dilemma damit verbunden ist."

Allein im Jahr 2008 wurden weltweit 260 Mitarbeiter von Hilfsorganisationen während ihres Einsatzes getötet, entführt oder bei Überfällen schwer verletzt. UNHCR hat bereits drei Todesfälle in 2009 zu beklagen.


Veröffentlicht am: 18.08.2009