Flüchtlingskommissar trifft Flüchtlinge in Indien

Neu Dehli - Am Mittwoch traf UN-Flüchtlingskommissar António Guterres in Indien mit einer Gruppe von Flüchtlingen und Asylsuchenden zusammen. Anlass seines Besuchs in Indien war der Ausbau der Beziehungen zwischen UNHCR und Indien, einem Land, dessen globale Bedeutung stetig wächst.
 
Dicht zusammengedrängt und in dicken Pullis erwarteten die rund 20 Flüchtlinge an dem kalten Dezembermorgen ihr Treffen mit António Guterres. Er erfuhr von der Herausforderungen, mit denen die Flüchtlinge konfrontiert sind und versicherte, UNHCR wolle die Zusammenarbeit mit lokalen Behörden verbessern und dazu beitragen, die Probleme zu lindern.
 
Indien hat nicht die Genfer Flüchtlingskonvention ratifiziert. Es gibt auch kein nationales Asylrecht. Die Rechte von Flüchtlingen und Asylsuchenden stehen aber unter dem Schutz der indischen Verfassung.
 
Der Mangel an flüchtlings-spezifischer Gesetzgebung erschwert den Kampf gegen Diskriminierung und Rassismus. "Ich verstehe, dass Ihr Leben sehr kompliziert ist. UNHCR will Euch bestmöglich unterstützen," sagte Guterres zu den Flüchtlingen und Asylsuchenden.
 
Das Leben in den Städten stellt die Flüchtlinge und Asylsuchenden vor zahlreiche Herausforderungen. Kritische Themen sind vor allem die Hemmnisse bei der Sicherung des eigenen Lebensunterhalts, das langsame Verfahren zu Anerkennung des Flüchtlingsstatus sowie die Schwierigkeiten beim Zugang zu staatlichen Gesundheits- und Bildungseinrichtungen.
 
Syeda*, ein palästinensischer Flüchtling aus dem Irak sagte in Neu Dehli: "Ich wünschte ich hätte ein Heimatland, irgendein Land, nur ohne Diktator." Die Neuansiedlung (Resettlement) in einem Drittland war eine Bitte der anwesenden Flüchtlinge aus Afghanistan, Myanmar, Irak, Iran, Somalia und DR Kongo.
 
"Letztes Jahr  wurde weniger als ein Prozent der Flüchtlinge neuangesiedelt. Dies bleibt immer eine sehr begrenzte Möglichkeit," sagte Guterres. Er erklärte, dass Staaten die endgültige Entscheidung, wen sie für die Neuansiedlung akzeptieren, häufig von der öffentlichen Meinung oder Lobbyisten abhängig machten. 
 
Flüchtlinge und Asylsuchende begrüßten die Möglichkeit, mit Guterres sprechen zu können.  "Diese Treffen war sehr gut und alle Afghanen begrüßen es," sagte Khan*. "Allerdings hoffe ich, dass er uns wirklich helfen kann."
 
"Es war sehr hilfreich direkt mit dem Flüchtlingskommissar sprechen zu können," sagte Than* aus Myanmar und erwartet, dass sich ihre Lage nun verbessern werde. Ein irakischer Flüchtling zeigte sich jedoch enttäuscht: "Er hat zwar gut gesprochen, viel Hoffnung hat er uns aber nicht gemacht."
 
Einige hoffen noch immer auf ein Resettlement. "Ich hoffe, dass UNHCR uns neu ansiedeln wird. Obwohl unser Heimatland wunderschön ist , können wir nicht zurückkehren," sagte Niloufer* aus dem Iran.
 
In Indien leben rund 12.400 von UNHCR registrierte Flüchtlinge und weitere 6.600 Asylsuchende. Die Mehrheit von ihnen stammt aus Afghanistan und Myanmar.

* Die Namen wurden aus Gründen des Datenschutzes geändert.


Veröffentlicht am: 04.12.2009