Griechenland: Unwürdige Zustände in Internierungscamp

Athen - UNHCR ist äußerst besorgt über Berichte, wonach es gewaltsame Vorfälle in einem Internierungslager für Flüchtlinge und Migranten auf der griechischen Insel Lesbos gegeben haben soll. Nach Informationen wurden Inhaftierte in dem Lager Pagani von Polizisten missbraucht und geschlagen. Unter den Opfern soll auch ein 17-jähriger Jugendlicher sein, der ärztlich versorgt werden musste.

Die Ärzte des Vostanio-Krankenhauses sollen massive Verletzungen an Kopf, Rücken, Bauch und Armen festgestellt haben. Offenbar kam es zu den Vorfällen, als die Spannungen in mehreren Lagerbereichen eskalierten, in denen Jugendliche gegen ihre lange Haft protestiert hatten.

UNHCR Griechenland würdigte die Tatsache, dass auf Anordung des stellvertretenden Ministers für Bürgerschutz bereits Disziplinarverfahren und strafrechtliche Ermittlungen laufen.

Angesichts der schwerwiegenden Vorwürfe fordert UNHCR eine umfassende Untersuchung der Ereignisse. Nur so könne sichergestellt werden, dass die Verantwortlichen bestraft werden würden, sollten sich die Vorwürfe bestätigen. UNHCR erinnert daran, dass der griechische Minister für Bürgerschutz vor kurzem eine Null-Toleranz-Politik gegen polizeiliche Willkür angekündigt hatte.

Eine UNHCR-Delegation hatte erst am Morgen des 22. Oktober 2009 mit dem stellvertretenden Minister für Bürgerschutz, Spyros Vougias, das Pagani-Lager besichtigt. Dort sind mehr als 700 Menschen, darunter Flüchtlinge aus Kriegsgebieten, unbegleitete Minderjährige, Frauen mit Babys und andere besonders Schutzbedürftige, unter erbärmlichen und unwürdigen Bedingungen inhaftiert.

Während des Besuchs bekräftigte der Repräsentant von UNHCR in Griechenland, Giorgos Tsarbopoulos, die Forderung nach der Schließung des Lagers. Er rief die griechische Regierung auf, ihre Politik bei der Aufnahme von Migranten auf den Prüfstand zu stellen.

Vize-Minister Vougias sprach von einer „menschlichen Tragödie“ und „unmenschlichen Bedingen, die den Kern der Menschenwürde verletzen“. Er sicherte zu, die verantwortlichen Ministerien zu koordinieren, die das derzeitige Lager auflösen und durch neue Einrichtungen zur Aufnahme und Unterbringung von Menschen ersetzen sollten, die „unter dramatischen Bedingungen in Griechenland ankommen“, sagte Vougias.


Veröffentlicht am: 28.10.2009