
Inselbewohner im Pazifik als Opfer des Klimawandels
Canberra - Die Carteret-Inselgruppe von Papua Neuguinea ist drei Bootsstunden von der größeren und vor allem höher gelegenen Insel Bougainville entfernt. Aber die 2.500 Inselbewohner von Carteret, die bisher ein sorgenfreies Leben mit der Fischerei und Landwirtschaft verbrachten, werden nun direkt mit den Auswirkungen des Klimawandels konfrontiert.
Auf den Carteret-Inseln, wie Tuvalu, mitten im Pazifik, erzeugen zahlreiche miteinander zusammenhängende Faktoren - ökologische, klimatische, geologische und demografische - Unsicherheit darüber, ob die Bewohner in ihrer ursprünglichen Heimat bleiben können.
Richard Towle, UNHCR-Regionalvertreter für den Pazifischen Raum, sieht in dem Schutz der Menschen, die von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind, auch eine Aufgabe zum Schutz der Menschenrechte im weitesten Sinne, um die Sicherheit der Menschen und die sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen für alle Menschen in der Region zu gewährleisten.
"Am wichtigsten ist es, Lösungen für diese Herausforderungen zu finden", sagt Towle. Infolge der Küstenerosion, der Zerstörung der Dämme und der Überflutung durch Salzwasser sind die kleinen Felder der Carterets, wo die Familien ihr Gemüse anbauten, nicht mehr fruchtbar. Die Nahrungsmittelhilfe geht nur langsam voran und zunehmend sieht es danach aus, als ob Umsiedlung die einzige Möglichkeit ist.
Nach verschiedenen, nicht erfolgreichen Versuchen die Inselbewohner in den letzten Jahren umzusiedeln, haben die Behörden inzwischen eine Fläche auf Bougainville ausgemacht, die zukünftig den Familien von den Carterets und anderen betroffenen Atollen als neue Heimat dienen soll.
Die Regierung von Papua Neuguinea plant zudem, die Menschen, die auf den Atollen verbleiben, weiterhin zu unterstützen und entwickelt gegenwärtig einen Notfallplan, um für zukünftige Klimaphänomene gewappnet zu sein.
Maryanne Loughry, vom Flüchtlingsdienst der Jesuiten in Australien, hat diesen Monat die Carterets besucht und mit den Bewohnern über das Umsiedlungsverfahren gesprochen. "Die Inselbewohner erkennen die Hilfe von Bougainville an, sind aber dennoch traurig über den Verlust ihrer Kultur und Tradtion. Außerdem herrscht bei ihnen Unsicherheit darüber, wie sie dort aufgenommen werden", berichtet Loughry.
Derartige Zwangslagen verdeutlichen die schwierige Situation von Inselbewohneren, für die eine Umsiedlung infolge ansteigender Meeresspiegel häufig die letzte Möglichkeit darstellt.
Die Einwohner vieler betroffenen Gemeinden lehnen für sich die Bezeichnung 'Klimaflüchtling' ab, da es einen falschen Sinn transportiert. "Viele Menschen von den Pazifischen Inseln haben uns gesagt, ihre oberste Priotrität würde darin bestehen, die Auswirkungen ansteigender Meeresspiegel abzuschwächen, namentlich die Verknappung des Trinkwasserangebots, Überschwemmungen, Krankheiten und den Verlust traditioneller Ernährungsformen, Lebens- und Wohngewohnheiten", sagt Towle.
Beispielsweise unternimmt Viti Levu, die größte der Fidschi-Inseln, ein neuartiges Projekt zum Korallenanbau. Es soll dabei helfen, die Küstenerosion und den Verlust des Sandes, die als Hauptfolgeprobleme des ansteigenden Meeresspiegels gelten, zu reduzieren. Das Projekt ist eine gemeinsame Initiative der örtlichen Behörden, nationaler NGOs und einer Hotelferienanlage. Sie illustriert, wie Anpassungsstrategien gleichzeitig zum Schutz der Umwelt und der Wirtschaft betragen können.
Um auf mögliche Naturkatastrophen in der Zukunft vorbereitet zu sein, hat UNHCR sich mit anderen Organisationen vernetzt und eine Arbeistgruppe zum Schutz der Menschen im Pazifik gegründet. Sie soll die Schutzbedürfnisse der Betroffenen aufzeichnen und analysieren.
Diese Beispiele verdeutlichen die Kombination verschiedener Ansätze und Maßnahmen - zum Katastrophenschutz, zur Anpassung sowie zur Umsiedlung - die benötigt werden, um den Menschen in der Region zu helfen. Allerdings bleibt für die Inselbewohner Carterets wohl letzten Endes nur die Umsiedlung übrig.
Veröffentlicht am: 15.12.2009




