Irak: Rückkehr nach Rückführung ausgeschlossen

Bagdad/Damaskus – Die angespannte Lage in in den fünf Zentralgouvernaten des Irak macht für viele heimgekehrte Flüchtlinge ein normales Leben kaum möglich. Zahlreiche Familien wollen wieder nach Syrien oder Jordanien zurück. Nun fehlen ihnen allerdings die nötigen Papiere. Die Rückkehr nach der Rückführung scheint somit ausgeschlossen. Die Familien bleiben im Grenzgebiet hängen.

Das Visum von Omar Salman ist seit zwei Wochen abgelaufen. Die syrischen Behörden machen dem Flüchtling und seiner Familie nach ihrer Rückführung in den Irak keine Hoffnungen auf eine Neuausstellung oder Verlängerung des Dokuments. Ähnliches gilt für die Einreise nach Jordanien, wo die Papiere bereits seit 2006 abgelaufen sind und Salman nach jordanischem Recht eine Sperrzeit von fünf Jahren abwarten muss.

"Dann nehme ich mir halt ein Zelt und baue es im Grenzgebiet auf", gibt sich der Familienvater in Anwesenheit seiner Frau und den drei Kindern kämpferisch.

Erst im Oktober 2008 waren die fünf nach Abou Ghraib nahe Bagdad zurückgekehrt und schon bald sind ihre Hoffnungen auf ein neues Leben wie eine Seifenblase zerplatzt. Das Geld, welches ihnen UNHCR zur Verfügung stellen konnte, reichte hinten und vorne nicht. Auch seinen Job als Schmied brachte dem Familienoberhaupt wenig ein. Seine sunnitische Frau wurde von den überwiegend schiitischen Nachbarn ständig schikaniert und  gemieden, die Kinder hatten Angst zur Schule zu gehen oder entführt zu werden. Und als der 45-Jährige selbst wegen eines Verkehrsdeliktes 45 Tage Arrest absitzen musste, war seine Geduld am Ende.

"Ich dachte, ich könnte den Kindern ein kleines Häuschen bauen, nur 50 Quadratmeter groß, so dass sie irgendwann stolz auf mich sein können", so Omar Salman unter Tränen. "In Damaskus hatte die irakische Regierung großflächig mit beruflichen Perspektiven und Bargeld geworben, wenn wir heimkehren würden. Nichts davon hat sich anschließend erfüllt", ergänzt Shahla, seine Frau. "Plötzlich hieß es, wir würden bestimmte Bedingungen nicht erfüllen und seien nicht vor 2005 aus dem Irak geflohen. Aber das stimmt nicht", erzählt sie.

Bereits 2003 mussten sie aus Kirkuk fliehen und verbrachten einige Nächte in ausgebombten Häusern, bevor sie fast zwei Jahre im Diyala-Camp unterkamen – tagelang ohne Wasser und ohne Strom. Dann kamen sie als Illegale nach Jordanien, und in Syrien konnten sie kaum überleben.

"Wie sind müde, einfach müde von der Lauferei", sagt Omar.

UNHCR warnt bereits seit längerem vor Abschiebungen von Personen, die aus dem Zentralirak stammen, solange es es keine substanzielle Verbesserung der Sicherheits- und Menschenrechtssituation im Lande gibt. Es gilt weiterhin die Aussage, dass angesichts schwerer Menschenrechtsverletzungen und andauerender Sicherheits-Zwischenfälle in den Zentral-Gouvernaten, irakische Asylsuchende von dort weiterhin international schutzbedürftig sind. Explizit sind das die Gouvernate Bagdad, Ninewa, Salah al Din, Diyala und Tameem (Kirkuk).

UNHCR liegen Zahlen vor, wonach 32.550 Flüchtlinge seit dem 31. Oktober 2009 zurückgeführt worden sind. Das sind deutlich mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum (25.370).


Veröffentlicht am: 23.12.2009

Weitere Informationen