Jemen: Zahl der Binnenvertriebenen steigt auf über 250.000

Sanaa - Die humanitäre Notlage im Jemen verschärft sich weiterhin. UNHCR schätzt, dass seit dem Beginn der Kampfhandlungen inzwischen rund 250.000 Zivilisten vertrieben wurden. Damit hat sich die Zahl der Binnenvertriebenen seit der letzten Fluchtwelle im August 2009 mehr als verdoppelt.

In den letzten sechs Wochen erreichten 1.000 Familien pro Woche (das entspricht rund 7.000 Menschen) die Provinz Hajjah. Die Menschen stammen ursprünglich aus der Provinz Sadaa, die am stärksten unter den Auseinandersetzungen zwischen den Regierungstruppen und den Al-Houti-Milizen zu leiden hat.

Die Kämpfe haben sich allmählich von Saada und Umgebung Richtung Nordwesten verlagert. Dies spiegelt sich in der Zusammensetzung der Binnenvertriebenen-Bevölkerung wieder, da die meisten der früheren Neuankömmlinge aus den Gebieten um Saada und Al-Dhaher kamen und mittlerweile auch Menschen aus den Gebieten um Razeh, Ghamr und Saqayn eintreffen. Ein weiterer verstärkender Faktor ist das Zusammenbrechen der Bewältigungsstrategien -- die Menschen ertragen die Situation in der Provinz Saada einfach nicht länger.

Trotz der drei bereits existierenden Binnenvertriebenen-Camps im Regierungsbezirk Hajjah, die ständig erweitert werden, stellt das Fehlen angemessener Unterkünfte für UNHCR das Hauptproblem dar. Zahlreiche Jemeniten halten sich in behelfsmäßigen Unterkünften auf, die an der Straßen zum Camp entstanden sind. Vergleichbar schwierig gestaltet sich die Lage in der Provinz Amran. Dort ist die überwiegende Mehrheit der Binnenvertrieben bei Verwandten und Freunden oder in Mietunterkünften

untergebracht. UNHCR und seine Partner stellen den Betroffenen Zelte zur Verfügung. Um die Lage zu entspannen, bemüht sich UNHCR darum, einen geeigneten Platz für ein Durchgangscamp zu finden.

Trotz der Unterstützung durch die jemenitische Regierung, UNHCR und andere Hilfsorganisationen wird es für die Binnenvertriebenen immer schwieriger, über die Runden zu kommen. Ebenso schwer ist der Zugang zu Gesundheits- und Bildungseinrichtungen. Die meisten Binnenvertriebenen mussten bei der Flucht all ihr Hab und Gut sowie ihr Vieh, das ein wesentlichen Anteil an ihrem Lebensunterhalt ausmacht, zurücklassen.

Die anhaltenden Kämpfe im Norden haben dazu geführt, dass zahlreiche Binnenvertriebene in der Hauptstadt Sanaa nach Sicherheit und Unterstützung suchen. Bisher wurden in Sanaa rund 12.000 Binnenvertriebene registriert. Zusammen mit anderen Hilfsorganisationen und der jemenitischen Regierung verteilt UNHCR weiterhin Nahrungsmittel und andere Hilfsgüter.

Unterdessen sind fünf UNHCR-LKW - beladen mit Zelten, Matratzen, Decken, Küchengeschirr und Hygienartikeln für rund 2.000 Menschen - auf dem Weg von Saudi-Arabien nach Nordjemen. Dies ist der dritte Konvoi dieser Art. Im Gebiet um Mandaba werden rund 10.000 Jemeniten in einer Notunterkunft von der jemenitischen Regierung und anderen Hilfsorganisationen unterstützt.

UNHCR ruft die Geberländer dazu auf, ihre Unterstützung für die Aktionen im Jemen fortzusetzen, damit UNHCR die notwendige Hilfe leisten kann. UNHCR braucht in diesem Jahr für die Schutz- und Unterstützungsprogrammen im Jemen insgesamt 35 Millionen US-Dollar, davon allein 16 Millionen US-Dollar für die Binnenvertriebenen.


Veröffentlicht am: 29.01.2010

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