
Kunstauktion für Folterüberlebende in Berlin
Berlin - Bereits zum 11. Mal hat das Behandlungszentrum für Folteropfer (bzfo) in Berlin eine Kunstauktion zugunsten von Folterüberlebenden in Deutschland ausgerichtet. In Anwesenheit von über 200 Kunstbegeisterten und Unterstützern, kamen am ersten Adventssonntag über einhundert Exponate bekannter und auch weniger bekannter Künstler unter den Hammer. Für ein Werk der Schweizerin Pia Fries wurden sogar 12.000 Euro geboten.
Als Fries' Bild auf die große Auktionsbühne geholt wurde, überboten sich drei Interessenten in schöner Regelmäßigkeit. Begleitet vom Wortwitz des Auktionators und Kunstliebhabers Peter Raue, schaukelte sich die Summe dabei ziemlich zügig auf die Rekordsumme dieses Auktionsnachmittages. "Ist das herrlich..." freute sich Raue über die Großzügigkeit der aktiven Bieterschar.
Dass der Anlass des Auktionstages aber weit ernsteren Charakter hatte, daran erinnerte der IHK-Präsident und Gastgeber Eric Schweitzer. Wie in den vergangenen Jahren auch, soll der Erlös der Veranstaltung vollständig den Opfern organisierter staatlicher Gewalt oder Bürgerkriegs-Gewalt zu Gute kommen. Allein in Berlin könnten so neben weiterem Spendenaufkommen jedes Jahr rund 500 traumatisierte Flüchtlinge aus fast 60 Ländern, darunter Erwachsene, Frauen und unbegleitete minderjährige Kinder von einem Team aus Psychologen, Sozialarbeitern und Ärzten erfolgreich behandelt werden, so Schweitzer. 2008 seien es sogar 650 gewesen.
"Diese Menschen haben das Schlimmste durchgemacht!" Sie wurden verfolgt, gefoltert, vergewaltigt und leben seither mit den seelischen und körperlichen Qualen zumeist zurückgezogen und mit sich allein, berichtet Schweitzer. Viele Betroffene seien auf ihrer langen Flucht nach Deutschland gekommen und schämten sich jetzt aufgrund der schlimmen Gewalt, die ihnen angetan wurde. "Daher ist die 11. Kunstauktion heute nicht ein 'Nice to have' sondern ein 'Must be'!" Insgesamt kamen bei der Versteigerung 131.000 Euro für den guten Zweck zusammen. Rekord!
Viele traumatisierte Flüchtlinge sind nur sehr schwer zugänglich, wissen die bzfo-Verantwortlichen und sprechen von körperlichen und seelischen Verletzungen. Für die Behandlung stehen entsprechende Therapieplätze und Dolmetscher in Berlin-Mitte zur Verfügung.
Besonders Kinder sollen durch verschiedene Ansätze in ihrer Entwicklung kind- und jugendgerecht gefördert und die Folgen von Kriegstraumata abgemildert werden. So zum Beispiel durch eine Schreib- oder Musiktherapie, die auf etwa sechs Monate angelegt sein kann. Die meisten Hilfesuchenden 2008 kamen aus dem Kosovo, aus Bosnien, aus der Türkei, dem Libanon, der Russischen Föderation, Angola, Serbien, Kroatien, Irak und Iran.
UNHCR, die Europäische Union und die Bundesregierung unterstützen die Arbeit des bzfo in Deutschland mit regelmäßigen finanziellen Zuwendungen. Die Kunstauktion, für die zahlreiche Galerien und Künstler Werke zur Versteigerung eingereicht haben, hat insgesamt mehrere zehntausend Euro für die Behandlung von Folterüberlebenden eingebracht und ebnet so vielleicht ihren Weg in eine menschenwürdige Zukunft.
2008 fusionierte das bzfo mit dem Zentrum für Flüchtlingshilfen und Migrationsdienste (zfm), der ÜberLEBEN-Stiftung für Folteropfer sowie der gemeinnützigen Catania-Hilfe für traumatisierte Opfer unter dem Dach des Zentrums ÜberLEBEN.
Text und Foto: Rouven Brunnert, UNHCR
Veröffentlicht am: 29.11.2009




