UNHCR geschockt über Morde an humanitären Helfern

Peshewar/Grosny – UNHCR ist durch zwei dicht aufeinander folgende Überfälle mit Todesfolge für humanitäre Helfer zutiefst erschüttert. Bei einem Attentat auf das UNHCR-Büro im Kutcha-Gari-Camp, im Nordwesten Pakistans, wurden am Dienstag zwei Menschen erschossen und ein weiterer schwer verletzt. Erst einen Tag zuvor ist Natalia Estemirova vom russischen UNHCR-Partner 'Memorial' in Grosny entführt und ermordet aufgefunden worden.

Vier oder fünf bewaffnete Personen hatten am Morgen eine Schießerei vor dem UNHCR-Büro Kutcha Gari begonnen. Zu der Zeit war Zill-e Usman auf dem Weg vom Büro zu seinem Auto, als ihn die tödlichen Schüsse trafen. Der 59-jährige Senior Programme Assistant erlag seinen Brustverletzungen auf dem Weg ins Krankenhaus. Ein weiterer UNHCR-Mitarbeiter überlebte den Anschlag schwer verletzt. Sein Zustand ist nach Aussage der Ärzte stabil. Ein Wachmann wurde ebenfalls getroffen und starb vor Ort. Spekulationen um eine geplante Entführung oder Geiselnahme können bislang nicht bestätigt werden.

UNHCR-Flüchtlingskommissar António Guterres zeigte sich bestürzt, nachdem bereits der dritte UNHCR-Mitarbeiter in diesem Jahr in Pakistan getötet wurde: "Unser tiefstes Mitgefühl gilt der Familie von Zill-e Ustan, insbesondere seiner Ehefrau und seinen vier Kindern", so Guterres bei einer Gedenkveranstaltung am Mittag in Genf. "Es gibt keinen Grund, humanitäre Helfer, die sich der Unterstützung der schutzbedürftigsten Menschen verschrieben haben, zu überfallen."

Ebenso betroffen ist UNHCR über den gewaltsamen Tod von Natalia Estemirova, eine führenden Menschenrechtsverteidigerin in Tschetschenien, die am Mittwoch in der Nachbarrepublik Inguschetien aufgefunden worden ist. Nach ersten Erkenntnissen wurde Estemirova in ihrem Wohnort Grosny entführt und verschleppt und anschließend erschossen. 

Estemirova seit mehr als zehn Jahren für die Organisation Memorial aktiv, um Menschenrechtverletzungen in Tschetschenien zu untersuchen und dafür zu sorgen, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

2004 wurde die russische Organisation von UNHCR mit dem Nansenpreis für ihren couragierten und friedenskonsolidierenden Einsatz im Krisengebiet ausgezeichnet.

Zill-e Usman war bereits seit 1984 für das UN-Flüchtlingskommissariat in Peshewar tätig und mit dem Land und der Umgebung von Kutcha Gari bestens vertraut. Vor den tödlichen Schüssen war der Pakistaner mit der freiwilligen Rückkehr von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen im Grenzgebiet verantwortlich.

Erst am 9. Juni 2009 war der UNHCR-Mitarbeiter Aleksander Vorkapic bei einem Bomebenattentat in Peshewar ums Leben gekommen. Im Februar wurde John Solecki aus dem UNHCR-Büro in Quetta entführt und sein Fahrer Syed Hashim getötet. Solecki kam nach Wochen wieder frei.

UNHCR leistet in Peshewar Hilfe für rund zwei Millionen Flüchtlinge. Viele sind nach Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Taliban-Rebellen im August 2008 in das Gebiet gekommen.


Veröffentlicht am: 16.07.2009

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