Weitere Eskalation in Somalia - neues Camp in Äthiopien

UNHCR hat Ende letzter Woche damit begonnen, somalische Flüchtlinge aus dem Übergangscamp im äthiopischen Dolo Ado nahe der somalischen Grenze in ein rund 65 Kilometer entferntes, neues Camp in Melkadida zu bringen. Sie gehören zu einer Gruppe von insgesamt 7.000 Somaliern, die kürzlich von der äthiopischen Regierung und UNHCR als Flüchtlinge anerkannt worden sind.

Melkadida ist das zweite Camp im Südosten Äthiopiens und das fünfte Camp insgesamt in Äthiopien, in dem das somalische Flüchtlinge leben. Dort können bis zu 20.000 Menschen aufgenommen werden. UNHCR und seine Partner arbeiten intensiv an einer Verbesserung der Infrastruktur, insbesondere der Trinkwasserversorgung und der sanitären Anlagen. Außerdem sollen ein Gesundheitszentrum, kommunale Einrichtungen und Bildungsstätten entstehen.

Im äthiopischen Grenzgebiet zu Somalia leben bereits mehr als 60.000 somalische Flüchtlinge in vier Camps, Au-Barre, Bokolmanyo, Kebribeyah und Sheder. Durchschnittlich kommen 200 Somalier pro Tag in Äthiopien an. Daher plant UNHCR weitere Camps in der Nähe von Melkadida.

Auf dem Höhepunkt der somalischen Flüchtlingskrise in den frühen 1990er Jahren beherbergte das Gebiet in acht Camps rund 628.000 Flüchtlinge. Zwischen 1997 und 2005 konnte die überwiegende Mehrheit dieser Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren. Mitte 2005 schloss UNHCR alle Lager bis auf das Camp Kebribeyah. In den Jahren 2007 bis 2009 mussten wegen neuer Konflikte und der allgemeinen Gewalt in den Süd- und Zentralregionen Somalias drei neue Camps in Äthiopien errichtet werden.

Aktuell sind infolge der Kämpfe zwischen den Regierungstruppen und den Al-Shabaab-Milizen tausenden Zivilisten aus der somalischen Hauptstadt Magadischu geflohen. Es wird berichtet, dass während der letzten bewaffneten Auseinandersetzungen am Mitte letzter Woche 24 Menschen getötet und weitere 40 verletzt worden sein.

Bereits einige Tage zuvor begannen die Bewohner die Stadt zu verlassen. Sie reagierten damit auf einen Bericht, nach dem eine Offensive der Regierungstruppen gegen die Milizen, die Teile der Stadt besetzt halten, unmittelbar bevorstehe. Seit Anfang Februar haben über 8.000 Menschen die Stadt verlassen. Sie versuchen den in verschiedenen Gebieten tobenden Kämpfen zu entkommen. Am heftigsten betroffen ist die Region um die nördlichen Vorstädte Haliwaa, Yaaqshiid und Wardhiigleey.

Zahlreiche Menschen haben sich in relativ sichere Gebiete der Hauptstadt begeben oder den Afgooye-Korridor aufgesucht. Dort halten sich bereits geschätzte 366.000 Binnenvertriebene auf. Der Afgooye-Korridor erstreckt sich rund 30 Kilometer westlich von Mogadischu und zählt zu einer der weltweit größten Zufluchtsregionen von Binnenvertriebenen.

Mehr als eine Viertelmillion Menschen mussten seit Mai 2009 Mogadischu verlassen, weil bewaffnete oppositionelle Gruppen versuchten, die gerade ins Amt versetzte Übergangsregierung zu stürzen.

UNHCR ist sehr besorgt über diese Eskalation der Gewalt in Süd- und Zentralsomalia, einschließlich der Hauptstadt und ruft die Konfliktparteien dazu auf, die internationalen Menschenrechtsstandards einzuhalten. Hauptsächlich infolge von Menschenrechtsverletzungen flohen die Menschen im letzten Jahr aus Mogadischu und den anderen somalischen Gebieten.

Somalia zählt weltweit zu den Ländern mit den meisten Binnenvertriebenen. In Somalia leben mehr als 1.4 Millionen Binnenvertriebene und rund 560.000 Somalier leben als Flüchtlinge in den benachbarten Ländern.


Veröffentlicht am: 16.02.2010