Klimawandel erreicht den Ost-Tschad

Abeche - Der Mangel an Trinkwasser und der Sand, der sich überall zu verteilen scheint, sind für die humanitären Helfer im Tschad eigentlich nichts neues. Allerdings hat sich infolge des Klimawandels die Lage extrem verschärft. Es gibt noch weniger Wasser und die Versteppung der Landschaft nimmt rasant zu. Eine Hungerkatastrophe kann schon 2010 die Folge sein.

Der Versuch ein Bad zu nehmen in Abeche, der Hauptstadt des Ost-Tschad, gleicht für Menschen die fließendes Wasser gewohnt sind, einer großen Aufgabe. Wasser ist nur an wenigen Stunden alle vier bis fünf Tage verfügbar. Die Hähne bleiben stets für den großen Moment geöffnet. Dann fließt ein Wasserstrom heraus, der in Kannen, Kanistern und Eimern aufgefangen wird.

Aber für die einheimischen Bewohner und die rund 250.000 sudanesischen Flüchtlinge, die nicht weit entfernt in den zwölf riesigen UNHCR-Camps leben, bleibt die eigene Körperhygiene ein unerreichbarer Luxus. Sie kämpfen darum, die 15-20 Liter pro Tag zu bekommen. Dieses Wasser wird zum Trinken, Kochen und Entfernen des Sandstaubes im Gesicht und von der Haut benötigt. Viele erhalten jedoch nur 5-6 Liter.

Wasser ist eine knappe Ressource im Ost-Tschad und sobald man Seite an Seite mit tausenden anderen Flüchtlingen lebt wird dies zum Hauptproblem. Überdies gibt es Anzeichen dafür, dass die jährlichen Regenfälle geringer ausfallen werden. Dies beeinträchtigt sowohl den Grundwasserspiegel als auch den Erdboden und die Pflanzenwelt.

UNHCR und seine Partner, die tschadische Regierung eingeschlossen, entwerfen Hilfsprogramme, um den Auswirkungen des Klimawandels begegnen zu können. Dazu zählen vor allem ein besserer Umgang mit den versiegenden Wasservorräten und die Anpflanzung von Bäumen zur Verringerung der Versteppung in einem der trockensten und heißesten Länder der Welt.

Angesichts der geringen Niederschläge in 2009 ist die Lage schon heute dramatisch. In Iriba, wo rund 55.000 sudanesische Flüchtlinge aus Darfur untergebracht sind, fielen nach Angaben des tschadischen Umweltministeriums seit Anfang des Jahres lediglich 135 Millimeter Regen. Im gesamten Jahr 1950 waren es dagegen rund 355 Millimeter.

Heutzutage reichen die Niederschläge nicht mehr aus, um der Versteppung Einhalt zu gebieten und neue Anpflanzungen überleben ohne ausreichende Wasserzufuhr nicht. Da in diesem Jahr ausgesprochen wenig Niederschlag fiel, erwarten die UN-Experten für 2010 eine Hungerkatastrophe für mehrere Millionen Menschen im Tschad und anderen Ländern der Sahelzone.

Seit den frühen 1960er Jahren ist der Tschad-See infolge von Verdampfung, Versteppung und der Begradigung des Flusslaufs von seiner ursprünglichen Größe von 25.000 Quadratkilometern auf 3.000 Quadratkilometer geschrumpft. Überdies treiben starke Winde den Saharasand in südlicher Richtung über den See.

Der Wassermangel und der vertrocknete Erdboden beeinträchtigen nicht nur die biologische Vielfalt, sondern lassen auch die Ernten gering ausfallen. Beispielsweise erhält das Vieh nicht mehr genügend Futter und stirbt an Unterernährung und damit zusammenhängenden Krankheiten; dies beeinflusst wiederum die Nahrungskette.

Unterdessen hat UNHCR im Tschad damit begonnen, der Versteppung entgegen zu treten und die Auswirkungen der versiegenden Wasservorräte abzuschwächen. "Die einzige Möglichkeit der zunehmenden Versteppung zu begegnen liegt langfristig in einem groß angelegten Aufforstungsprogramm", sagt Andrea Masini, UNHCR-Umweltbeauftragter in Abeche. Seit 2006 hat UNHCR 300.000 Bäumchen pro Jahr im Tschad angesetzt, rund 60 Prozent sind tatsächlich angegangen. Flüchtlinge und Einheimische haben weitere 1,2 Millionen Bäume gepflanzt, darunter auch Akazien und Obstbäume wie Zitronen- und Mangobäumchen.

Um die Versteppung zu bremsen, haben UNHCR und seine Partner in einer weiteren Aktion Flüchtlinge mit Feuerholz ausgestattet. Anderenfalls wären die Flüchtlinge selbstständig losgezogen und hätten Bäume und Sträucher gefällt. Dies wurde inzwischen von der Regierung unterbunden. Im Tschad und anderen Ländern wurden unterdessen alternative Treibstoffe, wie Gas und Biogas, und energiesparende Öfen sowie solarbetriebene Herde eingeführt.

Zum Schutz der knappen Wasservorräte im Ost-Tschad haben UNHCR und das Umweltministerium eine nachhaltige Strategie entwickelt. Der Drei-Jahres-Plan sieht vor, moderne mit traditionellen Verfahren zu kombinieren. Im ersten Jahr wurden neue Brunnen und Bohrlöcher in den Camps und den umgebenden Dörfern ausgebaggert, während Spezialisten nach neuen unterirdischen Reserven suchten.

Angesichts der heutigen Auswirkungen des Klimawandels, helfen die humanitären Helfer, Flüchtlinge und die Einheimischen den zukünftigen Generationen dabei, die Ressourcen dieser trockenen Gegend der Welt weiterhin nutzen zu können.


Veröffentlicht am: 16.12.2009