Krieg, Gewalt und Vertreibung haben für fast alle Irak-Flüchtlinge schwere Folgen. © UNHCR/P. Sands.

Krieg, Gewalt und Vertreibung haben für fast alle Irak-Flüchtlinge schwere Folgen. © UNHCR/P. Sands.

UNHCR: Zweidrittel der Irak-Flüchtlinge traumatisiert

Genf/Atlanta - Nach einer Studie des Flüchtlingshoch- kommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) sind Irak-Flüchtlinge in Syrien "extrem stark" traumatisiert. Genauer leiden 67 Prozent der bei UNHCR in Syrien registrierten  Iraker unter posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS). Depressionen und Angsstzustände sind demnach ähnlich weit verbreitet.

Ähnliche Untersuchungen, etwa in Afghanistan, hatten viel niedrigere Quoten festgestellt. Die Studie begründet diesen hohen Wert mit den Folgen der schrecklichen Erfahrungen der Betroffenen wie Folter, Mord oder Raketenbeschuss im Irak.

Gemeinsam mit den renommierten US-Centers for Disease Control (CDC) und der Forschungseinrichtung IPSOS wurde die UNHCR-Studie mit 754 Irak-Flüchtlingen erstellt. 82 Prozent der Flüchtlinge leiden demnach an Angstzuständen, Depressionen sind bei 89 Prozent vertreten. Jeder Studienteilnehmer erzählte von mindestens einem traumatischen Erlebnis. Sieben von zehn Flüchtlingen haben die Explosion einer Autobombe mit ansehen müssen, acht von zehn waren bei einem Schusswechsel dabei gewesen. Fast jeder vierte Flüchtling berichtete, er sei entführt worden.

Für die UNHCR-Untersuchung wurden Flüchtlinge im November 2007 in Syrien nach internationalen Standard-Methoden wie dem Harvard-Trauma-Fragebogen und der Hopkins-Checklist befragt.

Der wesentliche Unterschied zu anderen, ähnlichen Studien liegt in der Auswahl der Untersuchten: Nach Angaben des Journal of the American Medical Association (JAMA) ergab eine ähnliche Untersuchung in Afghanistan aus dem Jahr 2005, dass "lediglich" 32 bis 48 Prozent an PTBS gelitten haben. Das Ergebnis beruht auf einer zufällig angeordneten Stichprobe unter der afghanischen Bevölkerung.

Bei der UNCHR-Studie erklärten sich jetzt freiwillge Flüchtlingsfamilien zur Teilnahme bereit. 89 Prozent von ihnen leiden unter Depressionen. Bei der JAMA-Untersuchung für Afghanistan waren es 59 bis 73 Prozent. Offen bleibt allerdings, ob diese psychischen Folgen der Gewalt im Irak auch für alle zwei Millionen Irak-Flüchtlinge im Ausland und für die 2,2 Millionen Binnenflüchtlinge gelten.

UNHCR registriert Irak-Flüchtlinge in den Nachbarländern, unterstützt die Schulbildung für Hunderttausende Kinder in Syrien und Jordanien und macht Gesundheitsversorgung für viele Flüchtlinge möglich. Besonders hilfsbedürftige Familien wie solche mit Behinderten oder chronisch Kranken erhalten auch finanzielle Unterstützung.

Zudem organisiert UNHCR die Neuansiedlung in Drittstaaten, wenn Irak-Flüchtlinge nicht am Erstzufluchtsort bleiben können. Das betrifft primär Menschen mit besonderen medizinischen Bedürfnissen oder anderen Gefährdungen. Im Irak und in seinen Nachbarländern sind 350 UNHCR-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter im Einsatz.


Veröffentlicht am: 22.01.2008

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