
Integrationshilfe für junge Flüchtlinge in Österreich
Wien – Eine chancenreichere Zukunft und eine bessere Unterstützung bei der Integration, das ist es, was sich viele unbegleitete, jugendliche Flüchtlinge in Österreich wünschen. Doch die Situation ist alles andere als leicht für sie, nicht zuletzt aufgrund des Dramas von Flucht und Verfolgung, das hinter ihnen liegt. Die Möglichkeit einer Ausbildung oder einer geregelten Tätigkeit könnte vielfach helfen, die Probleme zu vermindern.
Der Zugang zum Arbeitsmarkt unterscheidet dabei drei Personengruppen, für die es unterschiedliche Regelungen gibt, wie Christoph Pinter, Leiter der Rechtsabteilung des UNHCR-Büros in Österreich, erläutert: "Grundsätzlich unterscheiden wir hier 3 Gruppen: Flüchtlinge, subsidiär Schutzberechtigte und Asylsuchende. Für die ersten beiden gibt es die Möglichkeit des Vollzugangs zum Arbeitsmarkt. Die Gruppe der Asylwerber hingegen hat erst 3 Monate nach Antragstellung Zugang zum Arbeitsmarkt, wobei dieser aufgrund eines Erlasses des Wirtschaftsministeriums jedoch oft nur Theorie bleibt. Denn aufgrund dieses Erlasses dürfen Asylwerber nur als Saisonarbeiter und Erntehelfer arbeiten."
Eine Möglichkeit zur Verbesserung der Situation ist das verstärkte Angebot von Ausbildungsmöglichkeiten für Flüchtlinge. Ein Beispiel dafür sind von T-Systems gesponserte Grundkurse für jugendliche Flüchtlinge. Über diese Aktion weiß Eva Krizsanits, Sprecherin von T-Systems Austria, zu berichten:
"Hintergrund war ein Microsoft-Projekt zum Thema IT-Fitness. Dabei kann jeder seine Fähigkeiten über seine Kenntnisse prüfen. Wir haben uns dabei gefragt, welche Gruppe denn das größte Bedürfnis nach einer guten Ausbildung hat. Daher haben wir Kontakt zu Lobby.16 hergestellt, einem Verein, der sich für das Recht junger Flüchtlinge auf Ausbildung einsetzt."
Die Jugendlichen konnten sich in dem absolvierten Grundkurs Basiswissen aneignen, das eine wertvolle Grundlage für künftige Tätigkeiten ermöglicht. Im Anschluss an diesen Kurs vergibt T-Systems Volontariate, bei denen die Teilnehmer ihr Wissen in die Praxis umsetzen können. Von der positiven Bedeutung des Ausbildungsprogramms ist Krizsanits überzeugt:
"Viele Asylverfahren dauern meist lange. Ein Arbeitseinstieg ist dann oft nicht möglich, weil Ausbildung und Perspektive fehlen. Wie unser Computerkurs gezeigt hat, hat unser Programm jedoch sehr gut funktioniert, wir konnten viel Know-how mit minimalem Aufwand vermitteln und das Selbstbewusstsein der Jugendlichen stärken!"
Aman Mohammadi, der 1993 geboren wurde und selbst an dem Kurs teilgenommen hat, kommt ursprünglich aus Afghanistan und hat in Österreich subsidiären Schutz bekommen. An einem weiterführenden Kurs ist er sehr interessiert, hat er doch viele positive Erfahrungen mitnehmen können:
"Der Computerkurs war ganz toll, wir wurden wirklich gut unterstützt und haben dabei viel gelernt! Unser Leiter hat uns gut unterrichtet, war sehr fleißig und hat uns wirklich sehr geholfen! Ich würde in Zukunft gerne in einem Büro arbeiten, dieser Kurs war eine sehr gute Erfahrung dafür, die man auch benötigt! Falls ein weiterer Kurs angeboten wird, werde ich mich auf jeden Fall weiterbilden!"
Erste Schritte für eine Verbesserung der Chancen für jugendliche Flüchtlinge sind also getan, jedoch gibt es auch in Österreich noch zahlreiches Verbesserungspotential, wie Christoph Pinter vom UNHCR-Büro in Österreich betont:
"Bei Flüchtlingen ist die Situation in Österreich an sich gut geregelt, nach der Zuerkennung des Flüchtlingsstatus ist eine gute Beratung und Betreuung für die Betroffenen wichtig, damit sie eine passende Beschäftigung finden können. Bei subsidiärem Schutz besteht das Problem, dass dieser nur mit einer Aufenthaltsberechtigung für jeweils ein Jahr verbunden ist. Viele haben aufgrund dieser Frist Schwierigkeiten, einen Job oder einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Personen mit subsidiärem Schutz sollten daher mit Flüchtlingen gleichgestellt werden und ein dauerndes Aufenthaltsrecht bekommen."
Auch bei der Regelung zur Erwerbstätigkeit von Asylwerbern gibt es noch Handlungsbedarf, so Pinter weiter. Prinzipiell sei die Rechtslage, wonach Asylwerber nach drei Monaten ab Asylantragstellung einer Tätigkeit nachgehen können, gut, jedoch würde der Erlass des Wirtschaftsministeriums den tatsächlichen Zugang zum Arbeitsmarkt wieder drastisch einschränken.
"Unserer Meinung nach hätte die vollständige Öffnung des Arbeitsmarktes für Asylwerber nach einer gewissen Zeit keine nachteiligen Auswirkungen auf die Arbeitsmarktsituation der heimischen Bevölkerung. Überdies könnte Österreich von diesen Menschen profitieren und müsste weniger Mittel für deren Grundversorgung aufbringen. Das wäre eine echte Win-win-Situation für alle Beteiligten!"
Foto: T-Systems Austria
Veröffentlicht am: 26.07.2010




