
UNHCR fordert Neuansatz bei Gesundheitsversorgung
Genf - Paul Spiegel, Leiter der UNHCR-Abteilung für Gesundheit und HIV fordert alle Hilfsorganisationen in Krisenregionen auf, die Gesundheitsprogramme zu überarbeiten und den Bedürfnissen entsprechend anzupassen. Besonders vier Schlüsselbereiche seien dabei verbesserungswürdig, so Spiegel als Co-Autor in einer Veröffentlichung.
• die Erreichbarkeit von Gesundheitsangeboten,
• die Behandlung von chronischen Krankheiten,
• die Gesundheitsangebote in städtischen Gebieten und
• die Erhebung, Überwachung und Kontrolle.
Spiegel beklagt, dass Regierungen, UN-Organisationen und internationale Organisationen sich nur langsam an die Veränderungen angepasst haben, die bei der Arbeit in Konfliktregionen, in denen Flüchtlingen und Binnenvertriebenen geholfen wird, zu beobachten sind.
Bei allen Errungenschaften werden die sogenannten humanitären Räume, so Spiegel, in denen Zivilisten Schutz im Konflikt suchen und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen sicher helfen können, immer weniger und kleiner, so Spiegel als Co-Autor in einem Artikel des Madizinjournals 'The Lancet'.
Die medizinische Hilfe basiere noch immer auf einem Model, dass in den 70er und 80er Jahren entwickelt wurde, den letzten Jahrzehnten des kalten Krieges, in dem es direkte Kämpfe zwischen zwei rivalisierenden Parteien gab und "Konflikt ein Synonym war für überfüllte Flüchtlingslagern, in denen eine junge Bevölkerung aus Entwicklungsländern lebte."
Aber eine große Flüchtlingsbevölkerung in Lagern mit Infektionskrankheiten und Unterernährung, entspricht nicht den Komplexität von heutigen und zukünftigen Konflikten, so der Report.
Die Charakteristika heutiger Kriege:
• sie sind von längerer Dauer,
• sie finden innerhalb eines Landes statt,
• gekämpft wird von irregulär bewaffneten Gruppen,
• die Kampfhandlungen sind unregelmäßig,
• verstärkt wird der Konflikt durch ökonomische oder ethnische Hintergründe,
• Gewalt gegen Zivilisten, darunter auch Vergewaltigung ist weit verbreitet,
• mehr Binnenvertriebene, weniger Flüchtlinge.
Die Konflikte finden in Gesellschaften statt, die von einer alternden Bevölkerung und Urbanisierung geprägt sind. Mehr als die Hälfte der Flüchtlinge, die unter dem Mandat von UNHCR stehen, leben in städtischen Gebieten, in denen die Gesundheitsversorgung komplex ist.
Zunehmend bedeutsam sind Themen wie:
• die Finanzierung der Gesundheit in langwierigen Krisen,
• Zugangsbeschränkungen durch Gebühren,
• die Notwendigkeit Gesundheitsangebote in das formale
Gesundheitssystem zu integrieren, um Ungleichheit zwischen Flüchtlingen und lokaler Bevölkerung zu vermeiden, wenn beide die gleichen Bedürfnisse haben.
Nicht infektiöse chronische Krankheiten kommen immer öfter vor, da die Alterung der Bevölkerung voranschreitet. In Konflikten und Naturkatastrophen hat sich gezeigt, dass die vermehrte Krankheits- und Sterblichkeitsrate aus der Verschlimmerung von nicht infektiösen Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes und Krebs resultiert.
Diese Entwicklungen müssen in der zukünftigen medizinischen Hilfe berücksichtigt werden. Spiegel und seine Kollegen fordern neue Strategien, um
• die Gesundheitsversorgung für verstreut lebende, zeitweise schwer zu erreichende Bevölkerungsgruppen mit geringem Einkommen und einem hohen Maß an Infektionskrankheiten und Problemen der Neugeborenen, möglich zu machen,
• chronische Krankheiten systematischer zu behandeln, unabhängig vom Einkommen und Lebenserwartung,
• kreative Ansätze zu entwickeln, um ein angemessene Gesundheitssicherungssystem für Menschen in städtischen Konfliktgebieten zu haben sowie
• sich den Anforderungen an Erhebung und Kontrolle zu stellen.
Veröffentlicht am: 26.01.2010




