Eine Flüchtlingsfrau beteiligt sich an der Bildung einer Siedlung in Tansania. Seit geraumer Zeit sind diese Siedlungen wirtschaftlich unabhängig. © UNHCR/T.Irwin

Eine Flüchtlingsfrau beteiligt sich an der Bildung einer Siedlung in Tansania. Seit geraumer Zeit sind diese Siedlungen wirtschaftlich unabhängig. © UNHCR/T.Irwin

35 Jahre nach der Flucht: Lösungen für burundische Flüchtlinge in Sicht



Genf (UNHCR) – Das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) benötigt 34 Millionen US-Dollar,  um Hilfsmaßnahmen für rund 218.000 burundische Flüchtlinge zu finanzieren, die 1972 nach Tansania geflohen sind. Das für zwei Jahre geplante Programm soll dazu beitragen, eine der langwierigsten Flüchtlingssituationen weltweit zu beenden.

Nach mehr als 35 Jahren kam es letztes Jahr zum Durchbruch, als die tansanische Regierung die Absicht äußerte, die so genannten „Alten Siedlungen“ zu schließen. Die Regierungen Tansanias und Burundis formulierten den Wunsch, eine langfristige Lösung für die Flüchtlinge zu finden. Die beiden Regierungen haben zusammen mit UNHCR eine Arbeitsgruppe gebildet, um eine gemeinsame Strategie zur Lösung der Flüchtlingssituation einzuschlagen.

"Für uns ist diese Aufgabe eine der wichtigsten auf dem afrikanischen Kontinent.  Wer den Wunsch geäußert hat, freiwllig nach Hause zurückzukehren, wird von UNHCR unterstützt, auch bei der Reintegration", so Marion Kamara, Direktorin des UNHCR-Büros in Afrika.

"Die Integration in Tansania ist für die, die bleiben wollen und die tansanische Staasbürgerschaft beantragen, eine zeitgebundene Möglichkeit. Um einen raschen Erfolg zu erzielen, ist es von zentraler Bedeutung, rasch handeln zu können", so Kamara weiter.

Im Jahre 1972 waren in Burundi bürgerkriegsartige Auseinandersetzungen ausgebrochen.  Die meisten Flüchtlinge fanden Schutz in Tansania. Bis heute leben sie in drei Siedlungen, zugewiesen von den tansanischen Behörden: Ulvankulu in der Region Tabora, Katumba und Mishamo in der Region Rukwa.

Kurz nach ihrer Ankunft erhielt jede Flüchtlingsfamilie ein Stück Land zugesprochen. Daher sind diese Siedlungen seit 1979 wirtschaftlich unabhängig, und die internationale Unterstützung wurde 1985 gänzlich eingestellt.
 
Diese Flüchtlinge unterscheiden sich klar von anderen Burundern, die erst in den 1990er Jahren in das Land strömten und in drei Camps im Nordwesten Tansanias unterkamen.

Der zusätzliche UNHCR-Spendenaufruf für die "Burunder von 1972" basiert auf einer Volkszählung, einer umfassenden individuellen Registrierung und einer sozio-ökonomischen Studie der alten Siedlungen, die in der zweiten Jahreshälfte 2007 durchgeführt wurde.

Drei wesentliche Ziele sollen durch die Hilfsprogramme errreicht werden: erstens die freiwillige Rückkehr und die Reintegration von rund 46.000 Flüchtlingen, die nach Burundi zurückkehren möchten, zweitens die Integration von rund 172.000 Burundern im Rahmen des tansanischen Staatsangehörigkeitsgesetzes und drittens  die direkte Unterstützung  jener Distrikte und Dörfer, in die sich die  Flüchtlinge letztlich integrieren lassen sollen.

UNHCR will, in Zusammenarbeit mit tansanischen Behörden und mit Unterstützung der burundischen Regierung Ende Februar damit beginnen, die freiwillige Rückkehr zu organisieren. Dafür sollen sowohl die vorhandenen Strukturen genutzt als auch neue Strukturen aufgebaut werden.

"Für rund 76.000 Flüchtlinge über 18 Jahre liegen positiven Entscheidungen bei den  Einbürgerungsanträgen vor – ein  beispielloser Beitrag Tansanias  für die regionale Stabilität", so Kamara.
 
In verschiedenen Regionen und Ortschaften quer durch Tansania sollen die burundischen Flüchtlinge von 1972 endgültig sozial und wirtschaftlich integriert werden. Sie sollen bei der Umsiedlung, bei dem gezielten Aufbau der Infrastruktur sowie bei der Wiedereingliederung  unterstützt werden. Dieser Teil des Prozesses bietet die größte Herausforderung, da eine langzeitige Unterstützung von anderen UN-Organisationen und wichtigen Partnern der Entwicklungszusammenarbeit unabdingbar sind.

UNHCR, für seinen Teil will helfen, das Wasserversorgungssystem und die medizinische Versorgung zu verbessern und die Gemeinden, denen fianzielle Mittel zukommen, darin unterstützen, Bildungs- und Weiterbildungsinstitutionen aufzubauen. Die UNHCR-Unterstützung gilt zudem der Wiederherstellung des Straßennetzes und der Verbesserung der landwirtschaftlichen Bodennutzung. Die sanierte Infrastruktur soll dann an die tansanischen Behörden übergeben werden.

Außer den rund  218.000 burundischen Flüchtlingen von 1972 leben weitere 113.000 burundische Flüchtlinge siwie 96.000 Flüchtlinge aus der benachbarten DR Kongo in Tansania.


Veröffentlicht am: 21.02.2008