
Flüchtlingsdrama in Kirgisistan: Luftbrücke gestartet
Dubai/Osch/Andijan - Am Mittwochmittag Ortszeit sind zwei Transportflugzeuge des Typs Ilyushin-76 mit je 40 Tonnen Hilfsgütern im usbekischen Andijan gelandet, um schrittweise hunderttausende Flüchtlinge aus dem Süden Kirgisistans mit dem Nötigsten zu versorgen. UNHCR plant vier weitere Nothilfe-Transporte innerhalb der kommenden Tage, für die insgesamt weit über 200.000 Flüchtlinge in der Region.
Erst am Montag hatte die usbekische Regierung UNHCR erlaubt, die nach eigenen Angaben 75.000 Menschen die bereits im Nachbarland angekommen sind, entsprechend mit Decken, Zelten und Plastikplanen auszustatten. UNHCR schätzt die Zahl der Binnenvertriebenen, die innerhalb Kirgisistan vertrieben worden sind auf zusätzlich 200.000 Menschen, die dringend auf humanitäre Hilfe warten.
"Wir danken der usbekischen Regierung, dass wir die Vertriebenen nun versorgen können," so UNHCR-Sprecher Andrej Mahecic in Genf.
Das erste Charterflugzeug von UNHCR bringt noch am Mittwoch 800 Leichtbau-Familienzelte nach Andijan. Die weiteren fünf Hilfstransporte sollen innerhalb einer großangelegten UNHCR-Luftbrücke Decken, Matratzen, Plastikplanen und Kochgeschirr in die Region liefern.
"Insgesamt kalkulieren wir 240 Tonnen Hilfsgüter für die humanitäre Hilfe aus unserem Zentrallager in Dubai einzufliegen", so Mahecic. "Nach der Ankunft in Usbekistan werden alle Materialien so schnell als möglich auf bereitgestellte Lastwagen verladen, die in enger Abstimmung mit der Regierung dann zu den verschiedenen Einsatzorten gebracht werden sollen."
Zuvor sind bereits UNHCR-Experten in die Region gereist, darunter Krisenmanager, Logistiker und Facheinsatzkräfte, die den bevorstehenden Nothilfeeinsatz vorbereiten. UNHCR plant eine Sondermaschine mit entsprechenden Personal für den Nothilfeeinsatz (Emergency Response Team).
UNHCR ist alarmiert durch die akute Eskalation der Gewalt in Südkirgisistan. Seit vergangenen Donnerstag hat sich die Situation in den Städten Osch und Dschalalabad zunehmend verschärft und bereits viele Todesopfer gefordert. Es wird von Schusswechseln und Angriffen auf Zivilisten - auch auf Frauen und Kinder - berichtet.
"Wir befürchten, dass wenn die zivile Ordnung nicht schnell wieder hergestellt wird, noch mehr Menschen vertrieben werden und auf das Land oder in Richtung usbekischer Grenze fliehen," sagte Andrej Mahecic von UNHCR und fügte hinzu, dass UNHCR als Teil der UN-Mission mit Nachdruck auf ein Ende der Gewalt drängt.
Das Flüchtlingskommissariat ist ebenso besorgt, dass die schlechte Sicherheitslage in Osch, Dschalalabad und anderen Regionen die nun aufgenommene Versorgung der Flüchtlinge behindert. UNHCR koordiniert die humanitäre Hilfe innerhalb der UN-Mission in Kirgisistan und wird sich im Rahmen der Hilfsmaßnahmen auf die Versorgung mit Zelten und den generellen Schutz der Binnenvertriebenen konzentrieren.
"Es werden dringend Nahrungsmittel, Medikamente und Zelte benötigt. Aber auch die Sicherheitslage muss sich verbessern, damit die Helfer ihre Arbeit tun können. Ein Teil der Hilfsgüter wurde schon geliefert, aber es dringt noch zu wenig Hilfe zu den Menschen in der Grenzregion vor. Es gibt Berichte, dass die Vertriebenen dort dringend Wasser benötigen. Andere wurden durch die Gewalt obdachlos und benötigen eine Unterkunft," sagte Mahecic von UNHCR.
Kirgisistan hat um internationale Hilfe gebeten, um der Krise im Süden des Landes zu begegnen.
Veröffentlicht am: 16.06.2010




