Klimawandel könnte zum Hauptfluchtgrund werden

Kopenhagen - Der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen António Guterres prognostizierte auf dem Weltklimagipfel in Kopenhagen, dass der Klimawandel in naher Zukunft zum Hauptgrund für die Flucht von Menschen innerhalb ihres Landes aber auch grenzüberschreitend werden könnte.

Guterres sprach seine Warnung während einer Pressekonferenz vor internationalen Journalisten aus. Dort traf er sich mit Verantwortlichen und nahm an mehreren Veranstaltungen und Diskussionen zum Thema Flucht und Vertreibung als Resultat des Klimawandels teil.

Auch wenn die Auswirkungen des Klimawandels die Länder des Südens härter treffen werden, als die Länder der nördlichen Hemisphäre, müssten sich diese auf entsprechende Migrationsbewegungen vorbereiten, so Guterres. Der Klimawandel sollte nicht als entfernte Sorge gelten. Schließlich wurden nach offiziellen Angaben im vergangenen Jahr 36 Million Menschen infolge von Naturkatastrophen vertrieben. Mehr als 20 Millionen von ihnen wurden gar zur Flucht gezwungen.

"Naturkatastrophen sind intensiver und häufiger und der menschliche Einfluss hat immer verheerendere Auswirkungen", sagte Guterres. Die Zunahme der Dürren stelle betroffene Gemeinden auf eine harte Probe. Gleichzeitig drohen ansteigende Meeresspiegel ganze Inseln zu überfluten. "Falls dies geschieht, werden nicht nur Staaten, sondern auch Kulturen und Individuen ertrinken", sagte Guterres.

Zudem bemerkte er, dass die Unterscheidung zwischen Flüchtlingen und Migranten zunehmend schwieriger werde. Dies könne in einer Schutzlücke für die Menschen münden, da sie rechtlich nicht als Flüchtlinge gelten würden. "Möglicherweise gibt es Bedarf für neue Rechtsinstrumente und UNHCR sollte kurzfristige Schutzstrategien entwerfen", so der Hochkommissar. Genauso wichtig werde es sein, die schutzbedürftigen Menschen präventiv zu unterstützen, damit sie erst gar nicht fliehen müssen.

Guterres stellte die wachsende Verbindung zwischen dem Klimawandel und Konflikten heraus. "Der Klimawandel verstärkt den Wettstreit um die Ressourcen - Wasser, Nahrungsmittel, Weideland -  und daraus können sich Konflikte entwickeln."

Nach Untersuchungen der US-amerikanischen Universitäten Berkeley, Stanford, New York und Harvard wird der Klimawandel bis 2030 das Bürgerkriegsrisiko in Afrika um mehr als 50 Prozent ansteigen lassen (im Vergleich zu 1990). 


Veröffentlicht am: 17.12.2009