
So wie diese Mutter mit Kind warten allein zwei Millionen Binnenvertriebene im Irak auf Besserung der dramatischen Lage. © UNHCR/K.Brooks
Irak: Zahl der Vertriebenen wächst auf 4,2 Millionen
Genf/Bagdad – Die verheerende Situation irakischer Flüchtlinge hält unvermindert an. Wie neueste UNHCR-Erhebungen belegen, ist die Zahl der Vertriebenen auf insgesamt 4,2 Millionen Menschen angestiegen. Auch betroffen von dem Andrang sind Syrien und Jordanien, die als Anrainerstaaten des Irak bislang rund die Hälfte aller Flüchtlinge aufgenommen haben.
Von den rund zwei Millionen Binnenvertriebenen befinden sich rund 85 Prozent in den zentralen und südlichen Regionen des Irak. Viele von ihnen stammen aus Bagdad oder den umliegenden Bezirken und sind bei Verwandten untergekommen. 820.000 Menschen sind allein seit Februar 2006 vertrieben worden, darunter 15.000 Palästinenser, die ohne Ziel unterwegs sind, so UNHCR-Pressesprecherin Jennifer Pagonis in Genf.
Mit der Aufnahme von 1,4 Millionen Irakern stößt Syrien ebenso an seine Kapazitätsgrenzen wie Jordanien mit 750.000; Ägypten hat 80.000 vertriebene irakische Staatsangehörige aufgenommen, andere Golfstaaten 200.000. Für Syrien bedeutet das ein Minimum von 30.000 neu ankommenden Irakern jeden Monat.
Pagonis kritisierte, dass zehn von 18 irakischen Provinzen ihren Landsleuten die Aufnahme verweigern und mit der Flüchtlingsfrage völlig überfordert zu sein scheinen. Auch die Hilfsmaßnahmen der internationalen Staatengemeinschaft griffen zu kurz und hätten nur wenige Resultate vorzuweisen, so Pagonis. Der Zugang zu sozialen Einrichtungen bliebe dem Großteil der Iraker versperrt und stelle somit ein weiteres schwerwiegendes Problem für die Flüchtlinge dar.
"UNHCR liegen viele beunruhigende Berichte besonders von alleinstehenden Frauen vor, wonach sich irakische Provinzbosse schlichtweg weigern, sie als Neuankömmlinge aufzunehmen." Pagonis bemerkte zudem die stagnierenden Anerkennungsraten europäischer Staaten. "UNHCR wiederholt seinen Aufruf, die Grenzen für alle zu öffnen, die Schutz brauchen", so die Pressesprecherin und versprach die humanitären Maßnahmen des UNHCR nochmals auszuweiten.
Derzeit beschäftigt UNHCR 300 Mitarbeiter in Syrien, Jordanien, Libanon, Türkei, Irak sowie in Genf, die sich ausschließlich für die irakischen Flüchtlinge einsetzen. Die zuständigen Mitarbeiter haben allein in diesem Jahr 130.000 Vertriebene registriert. Von 7.000 besonders Bedürftigen wurden Dossiers angefertigt und an potenzielle Aufnahmeländer übergeben. In den 18 irakischen Provinzen versorgt UNHCR insgesamt 10.700 Personen. Darüber hinaus hat UNHCR zwei Zentren in Damaskus errichtet, um die medizinische Versorgung von irakischen Flüchtlingen und die Verteilung von Nahrung zu verbessern. Dabei sind erfolgsversprechende Kooperationen mit zahlreichen lokalen Partnern entstanden.
Veröffentlicht am: 06.06.2007




