
Kirgisistan: Zahl der Binnenvertriebenen bei 300.000
Osch - Nach Informationen der Übergangsregierung Kirgisistans und Nichtregierungs- organisationen vor Ort hat sich die Zahl der Binnenvertriebenen inzwischen auf 300.000 erhöht; mindestens 40.000 suchen eine Unterkunft. Die kirgisischen Behörden versuchen die Ordnung im Land wieder herzustellen. UNHCR liegen Berichte über 180 Tote und weiteren 1.900 Verletzten vor.
Die Situation in Osch und den umliegenden Dörfern bleibt ebenso unsicher wie rund um die Stadt Jalalabad. Die Situation dort ist angespannt. Viele Familien haben Osch und Jalalabad aus Angst vor weiterer Gewalt verlassen und sind nach Bischkek und in andere Gebiete geflohen.
UNHCR und andere humanitäre UN-Organisationen haben derzeit keinen Zugang zu Süd-Kirgisistan. Trotz Abwesenheit hat UNHCR seine Nothilfe-Vorräte dem Roten Kreuz in Kirgisistan zugänglich gemacht, so dass damit 10.000 Flüchtlinge in Osch versorgt werden können. Ein UN-Sicherheitszugang ist in Planung. UNHCR hofft, dass dieser Zugang den operativen Betrieb in einigen Gebieten in Osch möglich macht.
Eine UNHCR-Luftbrücke ist für dieses Wochenende geplant. Zwei Flugzeuge, beladen mit 80 Tonnen Hilfsgütern aus dem UNHCR-Notfhilfelager in Dubai sollen 15.000 Menschen erreichen. Mitglieder eines Notfallteams sind bereits im Land oder auf dem Weg nach Kirgisistan. Zusätzliche Hilfskräfte werden bereitgestellt, um auf die sich ausbreitende humanitäre Krise zu reagieren.
Währendessen hat die Regierung von Usbekistan den geschätzten 100.000 Flüchtlingen, die vor der Gewalt in Kirgisistan geflohen sind, Zuflucht gewährt und Hilfe geleistet. Seit Freitag sind in der Provinz Adijan etwa 80.000 Flüchtlinge eingetroffen. Die Regionen Ferghana und Namangan beherbergen etwa 8.000 beziehungsweise 3.500 Flüchtlinge. Die meisten von ihnen werden in Schulen, Einkaufszentren und Sporthallen untergebracht. Die jüngst in Usbekistan eingetroffenen Flüchtlinge brauchen humanitäre Unterstützung, wie Wasser, Lebensmittel und Unterkünfte.
Die UNHCR-Luftbrücke nach Usbekistan, die am Mittwoch gestartet wurde, wird heute (Donnerstag) fortgesetzt. Insgesamt wurden damit bereits 160 Tonnen UNHCR-Hilfsgüter eingeflogen. Zwei weitere Flüge nach Adijan sind für morgen (Freitag) geplant.
UNHCR plant, sein Nothilfe-Team (Emergency Response Team, ERT) in Usbekistan bis Sonntag aufzustocken.
Insgesamt hat UNHCR bereits 2,5 Millionen US-Dollar für die humanitäre Unterstützung Usbekistans und Kirgisistans zur Verfügung gestellt.
Veröffentlicht am: 17.06.2010




