Kaum Unterstützung für Flüchtlinge im Kongo

Goma - UN-Flüchtlingskommissar António Guterres hat die internationale Gemeinschaft aufgerufen, die hunderttausenden Flüchtlinge und Vertriebene im Kongo nicht zu vergessen. Bei einem Besuch in der ostkongolesischen Stadt Goma, Zentrum einer der größten Flüchtlingskrisen der Welt, verglich Guterres das Schicksal der gewaltsam vertriebenen Menschen mit dem der Opfer des Tsunamis 2004 in Asien - allerdings bei weitaus weniger Kraftanstrengungen von außen.

In der Demokratischen Republik Kongo (DRC) sind rund zwei Millionen Menschen aus ihren Häusern vertrieben worden. Angesichts der Bedürfnisse dieser Zivilisten seien die Herausforderungen an die humanitäre und internationale Gemeinschaft enorm, unterstrich Guterres.

"Wenn man sich die humanitäre Lage in der Demokratischen Republik Kongo anschaut, all' die Opfer [...] die sterben müssen: innerhalb eines halben Jahres sind das etwa soviele wie die Opfer des Tsunamis in Asien", sagte Guterres. "Und wenn man dann die groß angelegte Unterstützung der internationalen Gemeinschaft für die Opfer des Tsunamis damit vergleicht, was die DRC alle sechs Monate erhält, ist da eine große Diskrepanz", fügte der UN-Hochkommissar hinzu. Bei der Tsunami-Katastrophe 2004 wurden mehr als 200.000 Menschen in den Anrainerländern des Indischen Ozean getötet.

Guterres traf am Donnerstag in Goma, der Hauptstadt der Provinz Nord-Kivu, ein. Dort versucht er seit langem, die Aufmerksamkeit auf die andauernde Krise im Osten Kongos zu lenken, wo trotz der Unterzeichnung eines nationalen Friedensabkommens 2003 Vertreibung und Gewalt anhalten.

Am Freitag war Guterres in mehreren Lagern für Binnenvertriebene (IDP) in Nord-Kivu sowie im benachbarten Süd-Kivu. Er war in den Lagern Shasha und Mubimbi I, wo Opfer der zahlreichen Konflikte untergebracht sind, die in den vergangenen drei Jahren die Kivu-Provinzen heimgesucht haben.

In Shasha in Nord-Kivu traf Guterres Angehörige der Bambuti, im Wald lebende Jäger und Sammler, die auch als Pygmäen bekannt sind und in den letzten Jahren besonders schwer gelitten haben. Die Bambuti-Vertreter erklärten dem UN-Flüchtlingskommissar, dass sie auch dann keinen Platz zum Leben hätten, wenn Frieden und Stabilität in die Region zurückkehren sollten. Sie riefen die Behörden auf, ihnen bei der Suche nach Land zu helfen.

In Mubimbi I, das in Süd-Kivu liegt, sprach Guterres mit den Betroffenen - einige von ihnen verloren in früheren Konflikten ihre Heimat, andere wurden erst vor kurzem von der kongolesischen Armee aus ihren Häusern vertrieben, die Rebellen der Democratic Forces for the Liberation of Rwanda (FDLR) entwaffnen wollte. Der UN-Flüchtlingskommissar besichtigte ferner das Lager Rutoboko im Masisi-Distrikt in Nord-Kivu, das 2008 bei Kämpfen zwischen den kongolesischen Streitkräften und den Rebellen des National Congress for the Defence of the People (CNDP) zerstört worden war. Damals waren tausende Zivilisten gezwungen zu fliehen.

Inzwischen kehren viele Vertriebene in ihre Dörfer zurück und bauen sich ein neues Leben auf. Auch die Schulen haben wieder geöffnet. Die Binnenvertriebenen begannen im März 2009 mit der Rückkehr, als die kongolesische Regierung und die Rebellen ein Friedensabkommen unterzeichneten. Im vergangenen Monat beschleunigte sich die Bewegung, als rund 66.000 Menschen aus sechs UNHCR-Lagern in und um Goma in ihre Heimatregionen zurückgingen. Guterres sagte sowohl Binnenvertriebenen als auch den Rückkehrern weitere Unterstützung durch UNHCR zu.

Vor seinem Flug nach Goma hatte Guterres mit dem kongolesischen Präsidenten Joseph Kabila, Ministerpräsident Adolphe Muzito und Innenminister Celestine Mbuyu in Kinshasa gesprochen. Vor seinem Weiterflug nach Uganda, wo ab Montag der Sondergipfel der Afrikanischen Union zu Flüchtlingen und Vertriebenen stattfindet, machte Guterres in Ruanda einen Zwischenstopp.


Veröffentlicht am: 19.10.2009