Industriestaaten: Irak, Afghanistan und Somalia sind Hauptherkunftsländer bei Asylerstanträgen

Genf - Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist die Zahl der Asylerstanträge im ersten Halbjahr 2009 in den Industriestaaten weltweit um zehn Prozent angestiegen. Laut einer nun veröffentlichten UNHCR-Halbjahresbilanz wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 185.000 Asylanträge in 38 europäischen Staaten und in den USA, Kanada, Japan, Australien, Neuseeland und in der Republik Korea gestellt. Die meisten Asylbewerber kamen aus dem Irak, Afghanistan und Somalia. In Europa wurden 75 Prozent aller Anträge eingereicht. 
 
Hauptherkunftsland bleibt im vierten Jahr in Folge der Irak (13.200 Asylerstanträge). Es folgen Afghanistan (12.000) und Somalia (11.000), wo sich die Sicherheitslage in weiten Teilen des jeweiligen landes erheblich verschlechtert hat. Weitere wichtige Herkunftsländer sind China, Serbien (einschl. Kosovo), die Russische Föderation, Nigeria, Mexiko, Zimbabwe, Pakistan und Sri Lanka.   
 
"Diese Statistik zeigt, dass sich immer mehr Menschen durch anhaltende Gewalt und die instabile Sicherheitslage in einigen Teilen der Welt gezwungen sehen, zu fliehen und Schutz in sicheren Ländern suchen", so UN-Flüchtlingskommissar António Guterres in Genf. "Es ist deshalb absolut notwendig, dass Staaten ihre Asyltüren für jene weit offen lassen, die genuin des internationalen Schutzes bedürfen".

Mit 23.700 Asylanträgen (rund 13 Prozent) zählte die USA im ersten Halbjahr 2009 weltweit die meisten Asylanträge. Es folgen Frankreich (19.400), Kanada (18.700), Großbritannien (17.700) und Deutschland (12.000).
 
Die Statistik zeigt eine ungleichmäßige Verteilung von Asylerstanträgen. Beispielsweise wurden die meisten Asylanträge irakischer Staatsbürger in Deutschland gestellt, gefolgt von den Niederlanden, Schweden und der Türkei.  Die Afghanen suchen in der Mehrzahl Schutz in Großbritannien oder Norwegen; Somalier stellen die meisten Anträge in den Niederlanden, in Schweden und Italien.
 
Auch Wechsel in der Entscheidungspraxis und Rechtssprechung können Asyl-Trends beeinflussen, so UNHCR. Beispiel: Nachdem ein zuständiges Gericht in Schweden bereits vor zwei Jahren entschied, es handele sich im Irak nicht um um einen "bewaffneten Konflikt", wurden dort erheblich weniger Asylanträge von Irakern registriert.
 
Ausgehend von der Erfahrungen der Vorjahre, wird in der zweiten Hälfte dieses Jahres mit einer weiteren Zunahme der Asylerstanträge in den meisten Ländern gerechnet.


Veröffentlicht am: 22.10.2009