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Festakt: 60 Jahre Genfer Flüchtlingskonvention in Bonn

22 Juli 2011

Spannende Gäste im Bonner Haus der Geschichte
© UNHCR/R. Brunnert

Bonn - Der Schirmherr der UNO-Flüchtlingshilfe, Bundestagspräsident Norbert Lammert  hat die wohlhabenden Industrienationen aufgerufen, sich stärker für Flüchtlinge zu engagieren. Nüchtern betrachtet leisteten die reichen Staaten weniger als sie könnten, sagte Lammert  am 21. Juli in Bonn. Dort sprach er auf einer gemeinsamen Festveranstaltung der UNO-Flüchtlingshilfe und UNHCR Deutschland zur Verabschiedung der Genfer Flüchtlingskonvention vor 60 Jahren und zum 60-jährigen Bestehen von UNHCR.

Der Bundestagspräsident würdigte die Konvention als „eine Selbstverpflichtung zum handeln“. Zwar sei ihr Text aus dem Kontext der damaligen Zeit entstanden. Als „Magna Charta des internationalen Flüchtlingsrechts“ sei es jedoch gelungen, zum ersten Mal „rechtliche Verbindlichkeit“ für den Schutz von Flüchtlingen festzuschreiben. 

Auf die aktuelle weltweite Flüchtlingssituation eingehend verwies Lammert darauf, dass die Zahl der Binnenvertriebenen weitaus größer sei als die der Flüchtlinge, die sich auf die Konvention berufen könnten. Dies sei besonders erschreckend. Der Bundestagspräsident wies gleichzeitig auf die Leistungen Deutschlands in den letzten Jahrzehnten bei der Aufnahme von Flüchtlingen hin. Dies zeige, dass hierzulande das Problem ernst genommen werde, aber, so räumte er ein, „wir bleiben auch unter unseren Möglichkeiten“.

Der Bundestagspräsident betonte, über die Diskussion von Fluchtursachen nicht das individuelle Flüchtlingsschicksal vergessen. „Die internationale Verantwortung der Weltgemeinschaft ist es, sich um das Schicksal von Menschen zu kümmern, die ohne persönliches Verschulden ihre Heimat verlassen mussten“. Der 60. Jahrestag der Verabschiedung der Genfer Flüchtlingskonvention sei deshalb ein „ebenso stolzes wie trauriges Jubiläum“.

Über seine persönlichen Fluchterlebnisse berichtete der Schriftsteller Abbas Khider. Der gebürtige Iraker musste während der Herrschaft von Saddam Hussein als Oppositioneller zwei Jahre in einem Bagdader Gefängnis verbringen. Aus Furcht vor weiteren Repressalien verließ er das Land. Nach einer Fluchtodyssee erhielt er Asyl in Deutschland, studierte hier Literaturwissenschaften und Philosophie. Inzwischen ist er ein gefragter Autor, der mit „Der falsche Inder“ auch seine Erlebnisse auf der Flucht literarisch verarbeitete. Trotz aller schlimmen Vorkommnisse sei es ihm dabei ein Anliegen, die versteckt Schönheit im Leben darzustellen. Sein Fazit: „Jeder Mensch, der in seiner Heimat frei leben kann, bleibt in seiner Heimat“.

Die Veranstaltung im Bonner Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland war zuvor vom Bürgermeister der Stadt Jürgen Nimptsch eröffnet worden. Der UNHCR-Vertreter in Deutschland, Michael Lindenbauer, nahm die Gelegenheit wahr, erneut an die politischen Verantwortlichen in Deutschland zu appellieren, regelmäßig besonders schutzbedürftige Flüchtlinge im Rahmen von sogenannten Resettlement-Programmen aus Erstzufluchtstaaten in Zusammenarbeit mit UNHCR aufzunehmen.

Der Vorsitzende der UNO-Flüchtlingshilfe Bernd Schlegel wies aus aktuellem Anlass darauf hin, dass die UNO-Flüchtlingshilfe vor rund 30 Jahren vor dem Hintergrund einer Massenflucht aus Somalia gegründet worden sei. Ihn bedrücke sehr, dass heute wiederum Millionen von Menschen aus diesem Land so dringend auf Hilfe angewiesen seien, um überleben zu können.

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