
UNHCR-Profil
Der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (United Nations High Commissioner for Refugees – UNHCR) schützt und unterstützt Flüchtlinge auf der ganzen Welt. UNHCR wurde 1951 von der UN-Generalversammlung gegründet, um Millionen von europäischen Flüchtlingen in der Folge des Zweiten Weltkrieges zu helfen.
Da sich in den folgenden Jahrzehnten die Flüchtlingssituation weltweit verschärfte, wurde das UNHCR-Mandat zunächst alle fünf Jahre verlängert. Im Dezember 2003 erhielt UNHCR von der UN-Vollversammlung ein unbeschränktes Mandat. Heute stehen knapp 21 Millionen Menschen unter seinem Schutz.
UNHCR hilft nicht nur Flüchtlingen, sondern auch Asylsuchenden, Rückkehrern und einem Teil der etwa 23,7 Millionen Menschen, die innerhalb ihrer eigenen Länder vertrieben wurden (Binnenvertriebene). Groben Schätzungen zufolge sind fast 40 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht.
Seit seiner Gründung hat UNHCR über 50 Millionen Menschen dabei unterstützt, sich ein neues Leben aufzubauen – eine Leistung, die 1954 und 1981 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde.
An der Spitze von UNHCR steht der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen. Seit dem 15. Juni 2005 hat António Guterres diesen Posten inne. Der ehemalige portugiesische Ministerpräsident ist der zehnte Amtsinhaber. Er informiert den Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen und legt der UN-Vollversammlung jährlich einen schriftlichen Bericht über die Tätigkeiten vor. Die Programme des Hochkommissars werden außerdem durch das Exekutivkomitee von UNHCR geprüft und gebilligt, das sich aus Regierungsvertretern zusammensetzt. Der Hauptsitz von UNHCR befindet sich in Genf.
Aufgaben: Flüchtlingsschutz und dauerhafte Lösungen
Ein Flüchtling ist nach internationalem Recht eine Person, die ihr Heimatland verlassen hat, weil sie eine wohlbegründete Furcht vor Verfolgung auf Grund ihrer Rasse, Religion, Nationalität, politischen Meinung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe hat. Das wichtigste internationale Übereinkommen zum Flüchtlingsschutz ist die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951, die 1967 durch ein Protokoll ergänzt wurde. Durch regionale Abkommen wie die Flüchtlingskonvention der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU, heutige AU) von 1969 und der auf Lateinamerika bezogenen Erklärung von Cartagena von 1984 erhielt UNHCR außerdem Zuständigkeiten für Personen, die vor Kriegen oder Bürgerkriegen fliehen.
Internationaler Schutz ist die wichtigste Aufgabe von UNHCR. Die Organisation soll sicherstellen, dass die Menschenrechte von Flüchtlingen respektiert werden, dass Flüchtlinge das Recht haben, Asyl zu suchen und dass kein Flüchtling zur Rückkehr in ein Land gezwungen wird, wo er oder sie Verfolgung befürchten muss. UNHCR arbeitet daran, dass internationale Vereinbarungen zu Gunsten von Flüchtlingen eine weite Verbreitung finden und diese von den Regierungen beachtet werden. Die Organisation stellt in vielen Ländern auch materielle Hilfe für Flüchtlinge zur Verfügung, wie z.B. Wasser, Unterkünfte und medizinische Versorgung.
Die zweite zentrale Aufgabe von UNHCR neben dem internationalen Schutz ist die Suche nach dauerhaften Lösungen für die Probleme von Flüchtlingen. Sofern die Bedingungen hierfür gegeben sind, ziehen viele von ihnen die freiwillige Rückkehr an ihre Heimatorte vor. Wenn die Rückkehr aber nicht möglich ist, hilft UNHCR ihnen dabei, sich ein neues Leben aufzubauen, entweder im Asylland oder in einem Drittland, das bereit ist, sie aufzunehmen (Neuansiedlung).
Unterstützung von Binnenvertriebenen
Der UN-Generalsekretär hat UNHCR regelmäßig beauftragt, auch Binnenvertriebene zu unterstützen. Diese haben keine internationale Grenze überschritten und fallen somit nicht unter den Schutz internationaler Konventionen, der Flüchtlingen zusteht. Die Situation der beiden Gruppen hängt aber oft zusammen und eine gemeinsame, koordinierte Hilfsoperation ist sinnvoll. Das trifft besonders bei der Rückkehr zu, wenn Binnenvertriebene und Flüchtlinge in die gleiche Region zurückkehren und dort vor ähnlichen Problemen stehen.
Ende 2005 haben sich die Vereinten Nationen und andere Organisationen auf einen besser koordinierten und umfassenderen Ansatz zum Schutz von Binnenvertriebenen geeinigt. UNHCR übernimmt dabei eine leitende Rolle sowohl bei der Unterbringung von Binnenvertriebenen als auch bei ihrem Schutz und bei der Koordination in Vertriebenlagern. UNHCR hat seit den siebziger Jahren in mehr als 30 Einsätzen Binnenvertriebenen geholfen, wie zum Beispiel in Timor, im Kosovo, in Kolumbien und in Afghanistan und zuletzt in der sudanesischen Region Darfur. Zurzeit werden rund 6,6 Millionen Binnenvertriebene von UNHCR aktiv unterstützt.
Finanzierung
Die UNHCR-Hilfsprogramme werden hauptsächlich durch freiwillige Beiträge von Regierungen, aber auch von Stiftungen und Privatpersonen finanziert. Zudem steht ein begrenzter Betrag – weniger als zwei Prozent – aus dem regulären UN-Budget für Verwaltungszwecke zur Verfügung.
Das Jahresbudget für 2008 liegt bei 1,31 Milliarden US-Dollar. Hinzu kommen jedes Jahr mehrere Sonderprogramme für einzelne Länder oder Regionen.
UNHCR weltweit
Im Jahr 2006 beschäftigte UNHCR rund 6.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 110 Ländern. Über 80 Prozent der Mitarbeiter sind außerhalb der Genfer Zentrale tätig, oft in entlegenen und gefährlichen Regionen.
Die umfangreichsten UNHCR-Programme werden derzeit im Irak, in Tschad/Darfur, in Afghanistan und im Südsudan umgesetzt.
Um der Komplexität der humanitären Krisen besser begegnen zu können, arbeitet UNHCR mit mehreren hundert Organisationen zusammen, darunter sowohl Schwesterorganisationen der Vereinten Nationen als auch Nichtregierungsorganisationen.







