United Nations High Commissioner for Refugees
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Warum Flüchtlinge nach Europa kommen

25 September 2015

© UNHCR/S.Nelson
Syrische Flüchtlingskinder schauen aus dem Fenster in den Innenhof ihres Wohnhauses in einem armen Vorort Kairos.

Genf – Vier Millionen Flüchtlinge befinden sich in Syriens Nachbarländern. In den letzten Monaten sind jedoch viele Menschen in Richtung Europa geflohen. Seit 2011 wurden in Europa 429.000 Asylanträge von Syrern gestellt.
Auf Basis von Monitorings, Umfragen, Fokusgruppendiskussionen und im Rahmen der täglichen Arbeit von UNHCR in Jordanien, Libanon, Ägypten und Irak, konnten sieben Hauptfaktoren für diese Fluchtbewegung identifiziert werden. Diese Zusammenstellung bezieht sich hauptsächlich auf Syrer, die sich bereits in den Nachbarländern aufhalten und nicht auf jene Menschen, die direkt aus Syrien fliehen müssen.

Hoffnungslosigkeit

Der Krieg in Syrien jährt sich bald zum fünften Mal und eine Verbesserung der Lage ist nicht in Sicht. Viele Flüchtlinge haben die Hoffnung verloren. Die ungewisse Zukunft gepaart mit den schlechten Lebensbedingungen führen zu Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung.

Hohe Lebenskosten und steigende Armut

Flüchtlinge im Libanon führen die hohen Lebenskosten als Grund für ihre Entscheidung an, zu bleiben oder weiterzugehen. In Ägypten geben Flüchtlinge an, dass es immer schwieriger wird, die Mieten und ihre teils hohen Schulden zu bezahlen sowie ihre Grundbedürfnisse zu stillen. In Jordanien war von jenen, die Flüchtlinge kennen, die weitergereist sind, der am häufigsten genannte Grund, nicht für die eigene Familie sorgen zu können.

Zusätzlich zu den Auswirkungen der lang anhaltenden Krise sind für viele Flüchtlinge die fehlenden legalen Arbeitsmöglichkeiten sehr schwierig. Viele haben ihre Ersparnisse längst aufgebraucht, Wertgegenstände wurden verkauft und nun leben viele Flüchtlinge unter miserablen Bedingungen und sie können kaum ihre Mieten und ihre Lebensmittel bezahlen.

Wenig Möglichkeiten, den Lebensunterhalt zu sichern

Ohne Arbeitsmöglichkeiten kämpfen viele Flüchtlinge um das tägliche Überleben. Sowohl im Libanon, in Ägypten wie auch in Jordanien gaben Flüchtlinge die fehlende Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu sichern und den fehlenden Zugang zum Arbeitsmarkt als Problem an. Syrische Flüchtlinge im Irak gaben an, dass die große Zahl an Binnenvertriebenen im Irak zu zunehmendem Verdrängungswettbewerb in den kurdischen Regionen des Landes führt. Der sinkende Ölpreis hat zudem zu weniger Jobs in der Bauindustrie geführt.

Der fehlende Zugang zum Arbeitsmarkt führt dazu, dass Flüchtlinge aus ihrer Not heraus, ungeregelte Arbeit annehmen und somit Ausbeutung, unsichere Arbeitsbedingungen und eine Unter- oder Nichtbezahlung von ausbeuterischen Arbeitgebern riskieren. Außerdem drohen den Flüchtlingen Sanktionen, wenn sie illegal arbeiten, so werden sie in Jordanien in die Camps zurückgeschickt. Im Libanon müssen Flüchtlinge seit kurzem für die Verlängerung ihres Aufenthaltsstatus eine Vereinbarung unterschreiben, mit der sie sich verpflichten, nicht zu arbeiten.

Unterfinanzierte Hilfsprogramme

Hilfsprogramme für Flüchtlinge und die Aufnahmegesellschaft leiden an chronischer Unterfinanzierung. Der Hilfsplan für 2015 (Syrian Regional Refugee and Resilience, 3RP) ist nur zu 41 Prozent finanziert. Dies hat sich dramatisch in Kürzungen der Lebensmittelrationen niedergeschlagen und Flüchtlinge, die Rationen bekommen, müssen von ca. 0,45-0,50 US-Dollar am Tage leben. Viele Flüchtlinge in Jordanien haben UNHCR berichtet, dass diese Kürzungen der letzte Anstoß waren, das Land zu verlassen. Zehntausende bekommen gar keine finanzielle Unterstützung und versinken immer tiefer in Schulden. Dies führt dazu, dass Flüchtlinge betteln müssen, zu Kinderarbeit und zu steigender Verschuldung.

Die sinkende humanitäre Hilfe wurde sowohl von Flüchtlingen im Irak, in Jordanien, im Libanon und in Ägypten als Grund für ihre Hoffnungslosigkeit und als Auslöser für eine Entscheidung nach Europa zu gehen, angegeben.

In Jordanien hat fehlende Finanzierung dazu geführt, dass Flüchtlinge den Zugang zu kostenloser medizinischer Versorgung verloren haben. Aktuell können 58,3 Prozent chronisch kranker erwachsener Flüchtlinge nicht versorgt werden, im Jahr 2014 waren es noch 23 Prozent. Auch der Zugang zu kurativer und Vorsorgemedizin ist gesunken.

Schwierigkeiten, den rechtmäßigen Aufenthalt zu verlängern

Im Libanon führen neue gesetzliche Regelungen zu einem eingeschränkten Zugang zu Asyl für Syrer, dies hat dazu geführt, dass viele Syrer durch den Libanon in die Türkei durchreisen. Flüchtlinge, die bereits im Libanon sind, müssen für ihre Aufenthaltsverlängerung jährlich 200 US-Dollar pro Person bezahlen. Zusätzlich müssen sie unterschreiben, dass sie nicht arbeiten werden und sie müssen eine beglaubigte Mietbescheinigung vorweisen. Viele Flüchtlinge fürchten sich davor, inhaftiert zu werden und fühlen sich schutzlos, aufgrund der abgelaufenen Aufenthaltsgenehmigungen.

Diesen Februar begannen die jordanischen Behörden, Syrer außerhalb der Camps mit neuen Identitätsdokumenten auszustatten, um ihnen den Zugang zu verschiedenen Leistungen zu ermöglichen. Dieses Verfahren stellt viele Flüchtlinge vor sehr große Herausforderungen, da die Kosten für das in diesem Verfahren benötigte Gesundheitszeugnis (30 Jordanische Dinar/42 US-Dollar) nicht zu leisten sind.

Wenige Bildungsmöglichkeiten

Besonders in Jordanien, Ägypten, Libanon und dem Irak sind eingeschränkte Bildungsmöglichkeiten für Flüchtlinge ein großes Problem. Bildung ist für Syrer ein hohes Gut. Vor dem Krieg war es in Syrien verpflichtend eine kostenfreie Schule zu besuchen. Die sich verschlechternde Situation der Flüchtlinge im Exil hat dramatische Folgen für ihre Bildung. In Jordanien müssen rund 20 Prozent der Kinder die Schule abbrechen um eine Arbeit aufzunehmen. Bei Mädchen führt diese Situation in einigen Fällen auch zu frühen Zwangsehen. Rund 90.000 Syrer im schulpflichtigen Alter besitzen keine formale Bildung, 30.000 von ihnen haben zwar Zugang zu gelegentlichen Bildungsangeboten, die restlichen Flüchtlinge aber haben überhaupt keine Möglichkeit diese wahrzunehmen.

Im Libanon wird Bildung für Syrer kostenfrei in einem Zweischichtensystem angeboten. Viele Kinder finden empfinden den neuen Lehrplan als zu schwierig oder können kaum anwesend sein, weil sie gleichzeitig ihre Familie unterstützen müssen. Obwohl das libanesische Bildungsministerium die Plätze für syrische Schulkinder um 100 Prozent erhöht hat (200.000 im Schuljahr 2015/2016), werden weitere 200.000 Kinder in diesem Jahr keine Schule besuchen können.

Jugendliche haben in der ganzen Region kaum Zugang zu tertiärer Bildung und verlieren die Hoffnung für ihre Zukunft.

Unsicherheit im Irak

Die Mehrheit der vertriebenen Iraker, mit denen UNHCR außerhalb ihres Landes gesprochen hat, berichtet von einem Gefühl der Unsicherheit im Irak. Vor allem Minderheiten berichten UNHCR, dass Migration der einzige Weg zu physischer Sicherheit sei.

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