United Nations High Commissioner for Refugees
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4 Jahre Syrien-Krise: Flüchtlingen droht düstere Zukunft

12 März 2015

© UNHCR/I. Prickett
Syrische Flüchtlinge in der Türkei - Nach schweren Zusammenstößen zwischen kurdischen Truppen und ISIS nahe der Stadt Kobane, flohen die Menschen im September 2014 in die Türkei.

Genf/Berlin - Vier Jahre nach Ausbruch des Syrien-Konfliktes haben sich die Bedingungen für Millionen von Flüchtlingen in den Nachbarländern und Binnenvertriebenen in Syrien auf alarmierende Weise verschlechtert. Ohne verstärkte internationale Unterstützung droht ihnen eine noch düstere Zukunft, warnte heute das UN-Flüchtlingskommissariat UNHCR.

Eine politische Lösung des Konfliktes ist nicht in Sicht. Die meisten der rund 3,9 Millionen syrischen Flüchtlinge in der Türkei, dem Libanon, Jordanien, dem Irak und Ägypten sehen für die nahe Zukunft keine Aussicht auf eine Rückkehr in ihre Heimat, aber auch kaum Möglichkeiten für einen Neustart im Exil. Über die Hälfte der syrischen Flüchtlinge im Libanon leben in unzureichenden Notunterkünften – im letzten Jahr waren es noch ein Drittel. Es bleibt eine ständige Herausforderung, für eine warme und sichere Unterkunft zu sorgen. Eine Untersuchung bei 40.000 syrischen Familien in den urbanen Zentren Jordaniens ergab, dass zwei Drittel von ihnen unterhalb der Armutsgrenze leben. 

UN-Flüchtlingskommissar António Guterres bekräftigte, weitaus mehr müsse getan werden, um syrische Flüchtlinge aus ihrem albtraumhaften Leid zu befreien. Nach Jahren im Exil sind ihre Ersparnisse erschöpft. Eine wachsende Zahl von ihnen sieht zum Überleben nur einen Ausweg durch Betteln, Prostitution und Kinderarbeit. Mittelklassefamilien mit Kindern versuchen verzweifelt, auf der Straße zu überleben; Ein Vater sagte, ein Leben als Flüchtling sei, wie in Treibsand zu geraten – jede Bewegung bedeutet noch tiefer zu sinken.

„Die schlimmste humanitäre Krise unserer Zeit sollte einen globalen Aufschrei zur Unterstützung hervorrufen, stattdessen schwindet die Hilfe. Finanzierungsaufrufe für humanitäre Hilfsprogramme bleiben systematisch unterfinanziert. Es gibt weder genügend humanitäre Hilfe, um den enormen Bedarf zu decken noch genügend Entwicklungshilfe für die Aufnahmestaaten, die unter der Belastung so vieler Flüchtlinge ächzen“, fügte Guterres hinzu. Er betonte, durch den massiven Zustrom der syrischen Flüchtlinge innerhalb der letzten vier Jahre sei die Türkei nun das größte Aufnahmeland für Flüchtlinge weltweit geworden und habe dabei über sechs Milliarden US-Dollar für direkte Hilfsmaßnahmen ausgegeben. 

Wachsende Sicherheitsbedenken und ungenügende internationale Unterstützung haben jedoch dazu geführt, dass Syriens Nachbarstaaten in den letzten Monaten Regelungen getroffen haben, um dem Zuzug von Flüchtlingen entgegenzuwirken. Neue Vorschriften für den Grenzübertritt gehören ebenso dazu wie aufwendige und komplexe Anforderungen, um den Aufenthalt im Exil verlängern zu können. Immer mehr Syrer verlieren ihre Hoffnung. Tausende haben versucht, unter Lebensgefahr über den Land- oder Seeweg Europa zu erreichen. Sie müssen dabei ihre ganzen Ersparnisse in die Hände von Schleppern geben. Viele von ihnen erreichen ihr Ziel nicht. Wer es jedoch schafft, muss zunehmend mit einer feindseligen Haltung rechnen. Flüchtlinge werden in einem Klima zunehmender Panik mit Sicherheitsproblemen in Zusammenhang gebracht.

„Flüchtlinge werden zu Sündenböcken für jedes beliebige Problem gemacht – vom Terrorismus bis zu ökonomischen Schwierigkeiten und der vermeintlichen Gefährdung der gesellschaftlichen Ordnung in den Aufnahmestaaten: Doch wir müssen uns in Erinnerung rufen: Flüchtlinge sind keine Bedrohung, sie sind bedroht“, so Guterres.

In Syrien selbst verschlechtert sich die Situation täglich. Über zwölf Millionen Menschen sind auf Hilfen zum Überleben angewiesen. Fast acht Millionen Menschen mussten ihr Zuhause verlassen. Sie leben mit mehreren Familien in überfüllten Räumen oder campieren notdürftig in verlassenen Gebäuden und Ruinen. Geschätzte 4,8 Millionen Menschen in Syrien sind für Hilfsorganisationen nur schwer zu erreichen, unter ihnen 212.000 Menschen in belagerten Städten oder Stadtteilen. 

Millionen von Kindern leiden unter Krankheiten und traumatischen Erfahrungen. Ein Viertel aller syrischen Schulen ist beschädigt, zerstört oder wird als Notunterkunft genutzt. Über die Hälfte aller Krankenhäuser in Syrien sind zerstört.
Über zwei Millionen Kinder gehen in Syrien nicht zur Schule. Im Exil gilt dies für fast die Hälfte aller syrischen Flüchtlingskinder. Im Libanon gibt es mehr Flüchtlinge als einheimische Kinder im Schulalter. Lediglich 20 Prozent der syrischen Flüchtlingskinder gehen jedoch in die Schule. Ähnliche Angaben gibt es auch für syrische Flüchtlingskinder außerhalb der Camps in Jordanien und der Türkei.

„Wir haben nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten hier einzugreifen – zu einem Zeitpunkt, an dem eine potenziell verlorene Generation mit ihrer Zukunft konfrontiert ist. Flüchtlinge der Hoffnungslosigkeit zu überlassen setzt sie jedoch noch größerem Leid, Ausbeutung und gefährlichem Missbrauch aus“, warnte Guterres. 

Die Syrer sind mittlerweile weltweit die größte Flüchtlingsbevölkerung, um die sich UNHCR kümmert. Ende letzten Jahres waren jedoch nur 54 Prozent der eigentlich benötigten finanziellen Mittel bereitgestellt worden, um Flüchtlinge außerhalb Syriens unterstützen zu können. In Syrien fielen die Hilfsgelder prozentual noch geringer aus. 

Im Dezember 2014 veröffentlichte die UN in Berlin den größten humanitären Hilfsappell in ihrer Geschichte. Bei völliger Finanzierung könnten mit dieser Summe die Grundversorgung der Flüchtlinge sichergestellt werden, aber auch die aufnehmenden Gemeinden und Städte in ihrer Infrastruktur sowie bei Dienstleistungen gestärkt werden. UNHCR hofft, dass erhebliche Beiträge bei der Geberkonferenz in Kuwait am 31. März 2015 versprochen werden. „Die Aufnahmestaaten bei der Bewältigung der Aufgaben alleine zu lassen, könnte in eine ernste regionale Destabilisierung münden und die Wahrscheinlichkeit von Sicherheitsproblemen anderswo auf der Welt erhöhen“, sagte Guterres.

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