UNHCR alarmiert: Integrationsplan vergisst auf Flüchtlinge

„Fehlstart einer begrüßenswerten Initiative“

Wien, 25.3.2009 – Mit Lob und Tadel reagierte heute das UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR auf das „Einführungspapier“ zum Nationalen Integrationsplan. Zwar sei „der Plan eine begrüßenswerte Initiative“, so UNHCR-Sprecher Roland Schönbauer. „Dass ausgerechnet ein Plan zur Ausländerintegration auf die gut 20.000 anerkannten Flüchtlinge der vergangenen fünf Jahre vollständig vergisst, ist ein bedauerlicher Fehlstart.“

Das heute präsentierte Papier enthalte interessante und wichtige Absichten von der besseren Anerkennung von Berufsabschlüssen bis zu Sprachkursen, so der Schluss der UNHCR-Experten nach einer ersten Durchsicht. Vieles davon sei auch für Konventionsflüchtlinge und subsidiär schutzberechtigte Flüchtlinge wichtig. Schönbauer enttäuscht: „Flüchtlinge kommen in dem Papier mit keinem Sterbenswörtchen vor. Dabei haben gerade Flüchtlinge mitunter ganz besondere Bedürfnisse im Integrationsprozess. Denn Flucht ist ja nie freiwillig.“ Der UNHCR-Sprecher nennt zwei Beispiele: Eine afghanische Oma, die nie lesen gelernt hat, werde keine allzu hohe sprachliche Latte mehr überspringen. Und für ein Folteropfer aus dem Irak werde man auch andere Maßnahmen treffen müssen als für Migranten, damit das „wichtige und richtige Ziel Integration gelingen kann“. Nachsatz: „Wer nur Wirtschaftsmigranten und Wohnbevölkerung, nicht aber die über 20.000 anerkannten Flüchtlinge der vergangenen fünf Jahre einbezieht, bleibt auf halbem Weg stecken.“

Ausdrücklich begrüßt wird die „breit ausgesprochene Einladung der Innenministerin mitzumachen“. Nachsatz: „Wir wollen hoffen, dass in Zukunft die besondere Situation von Flüchtlingen berücksichtigt wird. Denn die Bevölkerung weiß: Ein positiver Asylbescheid macht noch keine Integration“, so UNHCR-Sprecher Schönbauer abschließend.

Rückfragen: Gabrielle Sabourin, Tel. (+43/1) 260 60-4048, sabourin@unhcr.org


Veröffentlicht am: 25.03.2009