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Bootsunglücke fordern erneut Hunderte Menschenleben

26 August 2014

© UNHCR/A. D'Amato
Diese Menschen aus Syrien nehmen ihre erste Mahlzeit seit ihrer Abreise in Libyen zu sich. Zehn Stunden waren sie auf hoher See.

Tripolis - Die letzten Tage waren für Menschen, die die gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer wagen, die tödlichsten seit Beginn des Jahres. Mindestens drei Boote mit Flüchtlingen und Migranten sind gekentert oder gesunken – mehr als 300 Menschen starben. 

UNHCR geht davon aus, dass in diesem Jahr bereits 1.889 Menschen auf dem Mittelmeer verschwunden sind, 1.600 allein seit Juni.

Der erste und größte dieser Unglücke ereignete sich am vergangenen Freitag als ein Boot mit mindestens 270 Menschen an Bord nahe Garibouli, östlich der libyschen Hauptstadt Tripolis, kenterte. Nur 19 Menschen überlebten das Unglück. Die libysche Küstenwache hat seitdem 100 Leichen aus dem Mittelmeer geborgen, darunter fünf Kinder unter fünf Jahren und sieben Frauen. Es muss davon ausgegangen werden, dass auch die übrigen Passagiere ertrunken sind.    

Die Überlebenden berichteten, dass das Boot voll beladen war und immer mehr Menschen an Bord drängten. Dann plötzlich kenterte das Boot, sodass die Menschen auf dem Unterdeck eingeschlossen waren.

Bei einem zweiten Unglück wurden von der italienischen Marine am Samstag, den 23. August, 63 Menschen von einem Schlauchboot gerettet und 18 Tote geborgen, zehn Menschen gelten als vermisst. Die Passagiere kamen vorrangig aus Mail, Côte d’Ivoire, Guinea und dem Sudan. Als das Schlauchboot von einem Suchflugzeug entdeckt wurde, war es schon teilweise ohne Luft und einige Menschen waren von Bord gefallen, sodass ihnen Rettungswesten zugeworfen wurden.

Einen Tag später ereignete sich ein dritter Vorfall, bei dem ein Fischerboot mit rund 400 Menschen an Bord wegen schlechten Wetters vor der libyschen Küste kenterte. Die italienische Marine und die Küstenwache retteten zusammen mit einem Handelsschiff 364 Menschen. Bisher wurden 24 Leichen geborgen und noch mehr werden vermisst und sind vermutlich tot. Während die Überlebenden und die Leichen heute in Sizilien an Land gebracht wurden, ist die genaue Zahl der Vermissten noch nicht bestätigt.

Mehr ‚Boatpeople‘ durch Krise in Libyen

Der Ausgangpunkt für diese gefährlichen Überfahrten nach Europa ist zumeist Libyen. Die sich zusehends verschlechternde Sicherheitslage vor Ort, lässt das Geschäft der Schlepper florieren und veranlasst viele Flüchtlinge und Migranten in Libyen zur Flucht über das Mittelmeer. Das UNHCR-Büro in Tripolis erreichen täglich verzweifelte Anrufe von Flüchtlingen, Asylsuchenden und anderen hilfsbedürftigen Menschen, die Angst um ihr Leben haben und um Nahrung, Wasser, Arznei und Umsiedelung bitten. Diejenigen, die sich für eine Flucht nach Italien entschließen, nehmen oft längere und gefährlichere Routen in Kauf, um die Konfliktgebiete zu umgehen.

Viele Menschen, die ihr Leben auf hoher See riskieren und Sicherheit in Europa suchen, sind Flüchtlinge, die vor Krieg, Konflikt, Gewalt und Verfolgung fliehen.
UNHCR lobt das Engagement der italienischen Marine und Küstenwache, die mit ihrem Einsatz „Mare Nostrum“ Tausenden Menschen das Leben gerettet haben. Angesichts der zunehmenden Zahl von Menschen, vor allem von Syrern, Somaliern und Eritreern, die über das Mittelmeer fliehen, sind aber dringend Maßnahmen notwendig, die legale Alternativen zu diesen gefährlichen Überfahrten beinhalten. Die dramatische Situation an Europas Meergrenzen bedarf einer gemeinsamen europäischen Initiative, welche die Such- und Rettungsmissionen stärkt und das Risiko für die Geretteten minimiert.

Zudem ist es von zentraler Bedeutung, den Überlebenden solcher Unglücke, die oft Angehörige und Freunde verloren haben, psychologisch zu unterstützen, sobald sie an Land gehen. UNHCR spricht sich auch für Maßnahmen aus, um die Toten schnellstmöglich zu identifizieren, um das Leid der Hinterbliebenen nicht weiter zu verschlimmern.

UNHCR-Statistiken

Geschätztes Todesfälle und Vermisste:

2011 ungefähr 1.500; 2012 ungefähr  500; 2013 über 600 und bisher in 2014 über 1.880

Ankünfte:

2011 etwa  69.000; 2012 etwa  22.500; 2013 etwa 60.000; 2014 bisher 124.380

Ankünfte in 2014:

Italien: 108.172 (Stand 24. August)

Griechenland: 14.800 Menschen an der türkisch-griechischen Seegrenze  aufgegriffen (nicht zwangsläufig gerettet) (Stand Ende Juli)

Spanien:  etwa 1.100 Menschen, das schließt Anküfte auf dem spanischen Festland, den Balearen und in den Exklaven Ceute und Melilla ein (Stand Ende Juni)

Malta: 308 (Stand 22. Juli 2014)

14.000 Kinder sind in den ersten sieben Monaten dieses Jahres in Italien angekommen. 8.600 davon waren unbegleitet oder von ihrer Familie getrennt. 

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