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Erhöhte Risiken beim Versuch Europa zu erreichen

28 Februar 2017

© UNHCR/ A. Zavallis
Flüchtlinge und Migranten bei ihrer Ankunft in Europa.

Genf - Ein neuer UNHCR-Bericht zeigt die Auswirkungen der 2016 verschärften europäischen Grenzmaßnahmen auf Flüchtlinge und Migranten. Viele Menschen nehmen weiterhin die gefährliche Reise auf sich und begeben sich häufig in die Hände von Schleppern, weil legale Einreisemöglichkeiten nach Europa fehlen. 

Nach der „Schließung“ der Balkanroute und dem Abkommen zwischen der Europäischen Union und der Türkei im März 2016 ist die Zahl der Ankünfte in Griechenland über das östliche Mittelmeer drastisch gesunken. Die Überfahrt über das zentrale Mittelmeer von Nordafrika nach Italien ist zur Hauptroute Richtung Europa geworden. Allerdings zeigen die Zahlen auch, dass sich die Ankünfte in Griechenland mit Blick auf die am stärksten repräsentierten Nationalitäten nicht signifikant auf die zentrale Mittelmeerroute verschoben haben.

Insgesamt kamen im vergangenen Jahr 181.436 Menschen über das Mittelmeer in Italien an. Über 90 Prozent kamen per Boot aus Libyen. Unter den im letzten Jahr angekommenen Menschen, befinden sich Personen mit Schutzbedarf, Opfer von Schmugglern sowie Migranten, die auf der Suche nach einem besseren Leben sind. Die zwei am stärksten repräsentierten Nationalitäten unter den Ankünften in Italien sind Nigeria (21%) und Eritrea (11%). Auffallend ist die zunehmende Anzahl unbegleiteter oder von ihren Begleitpersonen getrennte Kinder, die sich auf den Weg nach Italien machten – über 25.000 unbegleitete Kinder waren es im vergangen Jahr.

Nie zuvor wurden mehr Todesfälle im Mittelmeer gezählt als in 2016. Damit ist die Überfahrt nach Italien besonders gefährlich. Von den 5.096 toten oder vermissten Personen, sind 90 Prozent über das Meer nach Italien gekommen. Dies entspricht, dass jeder 40. bei der Überfahrt sein Leben verliert.

Der Bericht zeigt außerdem, dass besonders in den letzten Monaten des vergangenen Jahres mehr Menschen Europa über die westliche Mittelmeerroute erreichten, entweder von Marokko und Algerien über das Meer nach Spanien oder durch den Grenzübertritt in die spanischen Exklaven Melilla und Ceuta.

Seit April 2016 versuchen weiterhin viele Menschen die Türkei über die östliche Mittelmeerroute zu verlassen, allerdings in weitaus geringerem Maße. Die meisten überquerten das Meer nach Griechenland. Einige versuchten über die Landwege nach Griechenland und Bulgarien zu gelangen oder überquerten das Meer, um Zypern zu erreichen. Die große Mehrheit, die diese Route nutzte, sind Menschen mit Schutzbedarf. Im vergangen Jahr kamen 87 Prozent der Ankünfte in Griechenland aus den zehn größten Herkunftsländern von Flüchtlingen.

Dies zeigt sich auch auf der westlichen Balkan-Route. In Serbien beispielsweise, kommen 82 Prozent der ankommenden Personen aus Afghanistan, Irak und Syrien. Knapp die Hälfte unter ihnen sind Kinder – 20 Prozent sind unbegleitete Kinder, wenngleich diese Zahl seit April 2016 gesunken ist. Als Folge der verschärften Grenzmaßnahmen verlassen sich viele Menschen auf Schmuggler und nehmen große Gefahren auf sich, die 2016 zu vielen Todesfällen führten.

Zehntausende Menschen sind Berichten zufolge von Grenzbeamten an europäischen Grenzen zurückgedrängt worden, so in Bulgarien, Kroatien, Griechenland, Ungarn, Serbien, Spanien und der Ehemaligen Jugoslawischen Republik Mazedonien. In vielen Fälle wurde mutmaßlich Gewalt angewendet, um die Menschen von einem erneuten Grenzübertritt abzuschrecken.

Zudem erreichten UNHCR alarmierende Berichte, wonach Flüchtlinge und Migranten entführt worden seien, gegen ihren eigenen Willen über Tage festgehalten würden, physisch und sexuell missbraucht und von Schmugglern und kriminellen Banden an verschiedenen Punkten entlang der Route gefoltert würden.

„Der Bericht zeigt deutlich, dass Flüchtlinge und Migranten ohne legale und sichere Einreisemöglichkeiten große Risiken auf sich nehmen, um nach Europa zu gelangen. Dies schließt auch jene Menschen mit ein, die einfach versuchen wieder mit ihrer Familie vereint zu sein“, sagt Vincent Cochetel, Direktor des UNHCR Europa-Büros. 

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