United Nations High Commissioner for Refugees
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Lebensrettung muss bei Meeresüberfahrten zentral sein

10 Dezember 2014

© UNHCR/A. D'Amato
Ein Boot der italienischen Marine nimmt 186 Menschen an Bord - sie kommen unter anderem aus Syrien, Pakistan, Äthiopien und dem Sudan.

Genf - Das UN-Flüchtlingshochkommissariat warnte heute davor, dass die internationale Gemeinschaft bei riskanten Bootsüberfahrten von Flüchtlingen und Migranten den Fokus auf lebensrettende Maßnahmen verliert. Die Unsicherheit der Küstenstaaten und regionaler Blöcke in welcher Weise sie auf die steigende Anzahl von Bootsüberfahrten reagieren sollen, drohe die Lebensrettung zu überschatten.

Im Vorfeld des "UNHCR 2014 High Commissioner's  Dialogue", einer informellen politischen Diskussion, die dieses Jahr auf Seerettung ausgerichtet ist, erklärte UN-Flüchtlingshochkommissar António Guterres, dass manche Regierungen zunehmend dem Abwehren von Fremden eine höhere Priorität geben als dem Recht auf Asyl.

Flüchtlinge aus Syrien und Eritrea größte Gruppe bei Mittelmeerüberfahrten

"Es ist ein Fehler und  genau die falsche Reaktion in einer Zeit, in der eine Rekordzahl an Menschen vor Kriegen flieht", so Guterres. "Sicherheit und die Steuerung der Zuwanderung sind für jedes Land von Bedeutung, aber Regelungen müssen derart gestaltet sein, dass sie den Verlust von Menschenleben nicht als Kollateralschaden in Kauf nehmen."

Da die Meeresüberfahrten nicht regulär sind, sind Statistiken schwer zu vergleichen. Die vorhandenen Daten weisen aber darauf hin, dass die Anzahl der Überfahrten 2014 einen Höchstwert erreichte. Laut den Schätzungen der Küstenbehörden, den Informationen über bestätigte Zurückweisungen und anderen Monitorings begaben sich seit Anfang 2014 weltweit mindestens 348. 000 Menschen auf derart risikoreiche Fahrten.

Historisch gesehen war Migration stets der Hauptfaktor, doch in diesem Jahr stieg die Zahl der Asylsuchenden, die die gefährlichen Überfahrten antraten, stark an.
Europa ist aufgrund seiner geografischen Lage mit dem Konflikt in Libyen im Süden, der Ukraine im Osten sowie den Kriegen in Syrien und Irak im Südosten gegenwärtig mit der größten Anzahl an Bootsüberfahrten konfrontiert. Seit Anfang Januar überquerten mehr als 207.000 Personen das Mittelmeer. Selbst wenn nicht alle von ihnen Schutz benötigen, entspricht dies dem Dreifachen der Höchstzahlen des Jahres 2011, als der Bürgerkrieg in Libyen 70.000 Menschen in die Flucht trieb.
2014 machten erstmalig Menschen aus Flüchtlingsländern (vor allem Syrien und Eritrea) fast 50 Prozent der gesamten Bootsüberfahrten aus.

Neben der Mittelmeer-Route werden drei weitere Seewege von Migranten und Menschen, die vor Kriegen und Verfolgung fliehen,  benutzt. Bis Ende November überquerten am Horn von Afrika  82.680 Personen den Golf von Aden und das Rote Meer. Dies waren hauptsächlich Flüchtlinge aus Somalia und Äthiopien, die in den Jemen oder auch weiter nach Saudi Arabien oder in die Länder des Persischen Golfs gelangen wollten.

Schätzungen zufolge haben 2014 54. 000 Menschen in Südostasien eine Meeresüberfahrt gewagt, um aus Bangladesch oder Myanmar nach Thailand, Malaysia oder Indonesien zu gelangen. In der Karibik haben mindestens 4.775 Menschen auf der Suche nach Asyl oder in der Hoffnung, der Armut zu entkommen, Boote bestiegen.

4.245 Menschen bei Bootstragödien 2014 ums Leben gekommen

Viele Menschen sterben auf diesen Reisen oder werden Opfer eines organisierten Verbrechens. UNHCR verfügt über Informationen, die allein in diesem Jahr 4.245 Todesfälle belegen. 3. 419 dieser Todesfälle ereigneten sich im Mittelmeer, welches somit die lebensgefährlichste Route ist.

In Südostasien starben Schätzungen zufolge 540 Personen beim Versuch den Golf von Bengalen zu überqueren. Weitere 215 Menschen kamen im Roten Meer und dem Golf von Aden ums Leben, während sich die Zahl der verstorbenen oder vermissten Personen in der Karibik seit Anfang Dezember auf 71 Menschen beläuft.
Schlepperbanden sind die Nutznießer, die Kapital aus der Verzweiflung der Menschen schlagen; vor allem in jenen Gebieten wo aufgrund von Konflikt und Instabilität keine Strafverfolgung droht.

Guterres betonte weiters, dass die Konzentration der Regierungen auf einen kleinen Ausschnitt eines vielschichtigen Problems, welches transnationalen Charakter aufweist und Routen von Tausenden von Kilometern umfasst, kontraproduktiv sei. Dadurch gelinge es Regierungen weder die Flüchtlings- und Migrationsströme in den Griff zu bekommen, noch das Sterben auf den Meeren zu verhindern.

"Menschen, die fliehen, um ihr Leben zu retten, kann man nicht durch Abschreckung davon abhalten, ohne die Gefahr noch zu verstärken", sagte Guterres. "Es gilt, die Grundursachen zu bekämpfen. Das bedeutet, die Fluchtursachen zu betrachten sowie zu analysieren, was die Menschen davon abhält, auf sicherere Weise um Asyl anzusuchen. Gleichzeitig müssen auch kriminelle Netzwerke, die davon profitieren, eingedämmt werden und deren Opfer geschützt werden. Ebenso bedeutet das, angemessene Systeme zu haben, die mit Ankünften umgehen können sowie eine Unterscheidung zwischen Flüchtlingen und Menschen, die keinen Schutz brauchen, treffen können."

Der diesjährige "High Commissioner's Dialogue" findet von 10. bis 11. Dezember statt. Regierungsvertreter, NGO-Delegierte, Küstenwachen, Wissenschafter, sowie Vertreter von internationalen Partnerorganisationen wie IOM, UNODC, OHCHCR und IMO werden daran teilnehmen.

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