United Nations High Commissioner for Refugees
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Mittelmeer: Statistik des Schreckens

02 Oktober 2014

© M.Sestini
SOS: Die italienische Marine hilft einem Boot von Flüchtlingen und Migranten, die von Nordafrika nach Europa aufbrachen.

Genf - Neue Daten zeigen einen alarmierenden Anstieg von irregulären Überfahrten über das Mittelmeer nach Europa im dritten Quartal 2014.

Danach haben auf diese Weise 90.000 Menschen Europa zwischen dem 1. Juli und 30. September 2014 erreicht, mindestens 2.200 Menschen starben bei dem Versuch. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum des Vorjahres wurden 75.000 Menschen und 800 Tote gezählt. Mit anderen Worten: Das Risiko, sein Leben bei der gefährlichen Überfahrt zu verlieren, hat sich statistisch gesehen verdoppelt.

Seit Beginn dieses Jahres haben insgesamt 165.000 Menschen die Fahrt über das Mittelmeer gewagt. Im gesamten Vorjahr waren es 60.000. Das Jahr 2014 hält so einen traurigen Rekord und ist Ausdruck der tiefen Verzweiflung der Betroffenen.

Vor diesem Hintergrund ruft UNHCR Europa erneut dazu auf, mehr Mittel und den Fortbestand starker Kapazitäten für die Seenotrettung im Mittelmeer zur Verfügung zu stellen. Zudem braucht es mehr alternative Zufluchtswege zu den gefährlichen Bootsüberfahren nach Europa. Versagt Europa bei dieser Aufgabe, werden viele weitere Menschen ihr Leben verlieren und Unglücke wie jenes vor Lampedusa werden sich erneut und vermehrt ereignen.

"Wir haben nicht aus den schrecklichen Ereignissen vom letzten Oktober gelernt. Immer mehr Flüchtlinge ertrinken beim Versuch, Sicherheit zu erreichen. Die EU-Staaten müssen zusammenarbeiten, um die lebensnotwendige Aufgabe zur Seenotrettung fortzusetzen und zu verstärken, die vor allem von der italienischen Marine durch den "Mare Nostrum" Einsatz, aber auch durch Handelsschiffe erfüllt worden ist", sagte UN-Flüchtlingskommissar António Guterres.

Eine Vielzahl von Gründen können genannt werden, warum die Zahl der Überfahrten und Toten in diesem Jahr immer größer wird. Zum Beispiel die Situation in Libyen, von wo viele Überfahrten unternommen werden. Dort hat die allgemeine Unsicherheit besonders Asylsuchende und Migranten aus Sub-Sahara Staaten oder dem Nahen Osten getroffen und sie zur Flucht veranlasst. Libyen muss seinen Teil dazu beitragen, den Menschenrechten und dem Völkerrecht Geltung zu verschaffen. Die Schwäche der Exekutivorgane fördert das Schlepperunwesen.

Viele Boote sind überfüllt, Menschen erstickten an Bord oder ertranken, weil sie keine Rettungswesten trugen. Bei der Tragödie vor Malta starben letzten Monat wohl 500 Menschen, als Berichten zufolge ihr Boot von Schleppern versenkt wurde. Nur elf Menschen konnten überleben. Sie mussten im Wasser treibend hilflos mit ansehen, wie ihre Familienmitglieder und Freunde ertranken.   

Nicht jeder, der die Überfahrt nach Europa wagt, sucht Asylschutz. Die Daten für das dritte Quartal 2014 zeigen jedoch, dass der Anteil jener immer größer wird, die vor Verfolgung und Kriege fliehen. Fast die Hälfte aller Menschen, die seit dem 1. Juli Europa über das Mittelmeer erreicht haben, stammt aus Syrien oder Eritrea. Dies ist nur ein (wenngleich wachsender) Bruchteil der globalen Flüchtlingsbevölkerung (16,7 Millionen weltweit, von denen die überwältigende Mehrheit sich in Staaten befinden, die an Kriegszonen grenzen). 

Für viele der Menschen, die sich auf die gefährliche Überfahrt begeben, gibt es keinen legalen und sicheren Zugang nach Europa. Es müssen aber dringend legale Alternativen gefunden werden, damit sich die Menschen nicht in die Hände von Schmugglern begeben müssen. Die Alternativen könnten sein: mehr Resettlement-Plätze, leichterer Zugang zu humanitären Visa für Menschen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen sowie ein gemeinsames Handeln der EU und nordafrikanischer Länder, das nicht nur auf Grenzsicherheit ausgelegt ist, sondern auch die Menschenrechts- und Flüchtlingskomponente berücksichtigt.

UNHCR ruft zudem die Europäischen Regierungen dazu auf, Familienzusammenführungen zu vereinfachen. Zudem könnten Staaten privatfinanzierte Aufnahmeprogramme auflegen und Studien- und Arbeitsvisa nutzen, um Flüchtlingen zu helfen. "Wir müssen bessere Wege finden diesen verzweifelten Menschen Zuflucht zu geben. Wir können uns nicht vorstellen, was sie erlebt haben und welchen Gefahren sie ausgesetzt waren", sagte Guterres.

Diese Herausforderungen können nicht von einzelnen Staaten allein bewältigt werden. Zusammenarbeit zwischen den Staaten und eine gemeinsame europäische Antwort sind notwendig.

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