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Weltweit weniger Flüchtlinge, mehr Binnenvertriebene
Die Zahl der Flüchtlinge weltweit hat den niedrigsten Stand seit 26 Jahren erreicht. Dennoch stieg die Gesamtzahl der schutzbedürftigen Menschen, für die UNHCR zuständig ist, im vergangenen Jahr auf knapp 21 Millionen.
Dies geht aus der am Freitag veröffentlichten Jahresstatistik des UN-Flüchtlingskommissariats (UNHCR) hervor. Diese Zunahme ist vor allem das Ergebnis der wachsenden Rolle von UNHCR bei der Unterstützung von Binnenvertriebenen, d.h. Menschen, die innerhalb ihres Heimatlandes fliehen mussten.
Der UNHCR-Bericht "2005 Global Refugee Trends" konstatiert: Trotz Rückgangs der Zahl grenzüberschreitender Flüchtlinge von 9,5 Millionen (2004) auf 8,4 Millionen im vergangenen Jahr ist die Gesamtzahl der von UNHCR geschützten und unterstützten Personen um 1,3 Millionen auf 20,8 Millionen gestiegen. Der Anstieg liegt hauptsächlich an der größeren Zahl von Menschen, die im eigenen Land in einer flüchtlingsähnlichen Situation leben: 6,6 Millionen Binnenvertriebene gegenüber 5,4 Millionen Ende 2004.
"Im Vorfeld des Weltflüchtlingstags am 20. Juni ist die gute Nachricht: Die weltweiten Flüchtlingszahlen sind auf den niedrigsten Stand seit 1980 zurückgegangen. Zudem weist das vergangene Jahr die wenigsten neuen Massenfluchtbewegungen in Nachbarländer seit 29 Jahren auf. Und seit 2002 konnten sechs Millionen Flüchtlinge heimkehren", sagte UN-Flüchtlingskommissar António Guterres. "Für Millionen Flüchtlinge finden wir durch freiwillige Rückkehr, durch Integration in Asylländern und durch Neuansiedlung in Drittstaaten dauerhafte Lösungen."
"Die schlechte Nachricht ist jedoch: Die internationale Staatengemeinschaft ist noch weit davon entfernt, Millionen von Binnenvertriebenen aus Notlagen wie in Darfur, in Uganda und in der Demokratischen Republik Kongo zu befreien", fügte Guterres hinzu. "Während wir in Liberia, der Russischen Föderation, dem Balkan und anderorts Hunderttausende Binnenvertriebene bei der Heimkehr unterstützt haben, leben noch immer Millionen wie Flüchtlinge in den Grenzen ihres eigenen Landes. Sie brauchen viel mehr Hilfe, und UNHCR beabsichtigt, seinen Beitrag zu leisten."
Die 6,6 Millionen Binnenvertriebenen, die UNHCR bereits betreut, entsprechen 32 Prozent der von der Organisation weltweit geschützten und unterstützten 20,8 Millionen Menschen. Sie werden nur noch von der Zahl der Flüchtlinge (40 Prozent) übertroffen. Die übrigen 28 Prozent in der aktuellen UNHCR-Statistik schließen u.a. Rückkehrer (1,6 Mio.), Asylsuchende (773.000) und Staatenlose (2,4 Mio.) ein.
Die überwiegende Mehrheit der Flüchtlinge und Vertriebenen bleibt in Entwicklungsländern, darunter Afghanen (2,9 Mio.), Kolumbianer (2,5 Mio.), Iraker (1,8 Mio.), Sudanesen (1,6 Mio.) und Somalier (839.000). Afghanistan ist weiterhin Hauptherkunftsland von Flüchtlingen (1,9 Mio. in 72 Asylländern). Allerdings fiel deren Gesamtzahl gegenüber 2004 um 21 Prozent. UNHCR-Hilfsprogramme haben auch zu einem Rückgang der Zahl der Flüchtlinge aus Burundi (minus 10Prozent auf 438.700) und Liberia (minus 31 Prozent auf 231.100) geführt. 2005 kehrten insgesamt 1,1 Millionen Flüchtlinge zurück, davon rund 752.000 nach Afghanistan, 70.000 nach Liberia, 68.000 nachBurundi, 56.000 in den Irak und 54.000 nach Angola.
UNHCR zählte 2005 weltweit insgesamt 668.000 Asylbewerber in 149 Staaten, zwei Prozent weniger als im Jahr zuvor. Die meisten Asylsuchenden wurden in Europa registriert (374.000). Es folgen Afrika (125.000), die Asien-/Pazifik-Region (75.000) und Amerika (72.000).
Bericht (engl.): "2005 Global Refugee Trends: Statistical overview of populations of refugees, asylum-seekers, internally displaced persons, stateless persons, and other persons of concern to UNHCR" (PDF-Datei, 870 KB, 105 S.)
Veröffentlicht am: 18.06.2006










