Frühere Flüchtlingskommissare
1951 - 1956: Gerrit Jan van Heuven Goedhart (Niederlande)
Vor seiner Ernennung zum ersten Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen war Gerrit Jan van Heuven Goedhart Rechtsanwalt und Journalist. Während des Zweiten Weltkrieges war er im niederländischen Widerstand aktiv und Mitglied der Exilregierung in London. Als Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen bemühte er sich besonders um die Mittelbeschaffung für die Unterstützung der schätzungsweise 2,2 Millionen Flüchtlinge, die nach dem Zweiten Weltkrieg noch immer heimatlos waren. Bis zu seinem plötzlichen Tod im Jahre 1956 hatte er UNHCR auf eine wesentlich solidere finanzielle Grundlage gestellt. Er verlagerte den Schwerpunkt der Arbeit von UNHCR von der Wiederansiedlung in Drittländern auf die Integration vor Ort in Europa. Seine Errungenschaften zu Gunsten von Flüchtlingen wurden 1954 anerkannt, als dem Amt der Friedensnobelpreis zuerkannt wurde.
1956 - 1960: Auguste R. Lindt (Schweiz)
Auguste Lindt arbeitete in den dreißiger Jahren als Auslandskorrespondent für verschiedene europäische Zeitungen und diente im Zweiten Weltkrieg in der Armee der Schweiz. Danach schlug er eine diplomatische Laufbahn ein und war Vorsitzender des Exekutivkomitees des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF). Ab 1953 war er Beobachter der Schweiz bei den Vereinten Nationen. Praktisch unmittelbar nach seiner Ernennung zum Hohen Flüchtlingskommissar mobilisierte er die Unterstützung für die 200.000 Ungarn, die nach der Niederschlagung des ungarischen Aufstands durch die Sowjets im Jahre 1956 nach Österreich und Jugoslawien geflohen waren. Wenig später brachte er ein Hilfsprogramm für etwa 260.000 Algerier auf den Weg, die während des algerischen Unabhängigkeitskrieges nach Tunesien und Marokko geflohen waren. Lindts diplomatisches Verhalten in diesen heiklen Situationen trug viel dazu bei, dass die Staaten UNHCR als eine Organisation mit einer weltweiten Verantwortung anerkannten.
1960 - 1965: Félix Schnyder (Schweiz)
Wie sein Vorgänger war Félix Schnyder ein Diplomat aus der Schweiz, der vor seiner Ernennung zum Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen als Vorsitzender des Exekutivkomitees von UNICEF und Beobachter der Schweiz bei den Vereinten Nationen tätig war. Schnyder leitete die Rückführung der algerischen Flüchtlinge aus Tunesien und Marokko, bei der UNHCR sich zum ersten Mal an einem solchen großen Einsatz beteiligte. Er erreichte auch die Unterstützung der UN-Vollversammlung dafür, dass UNHCR zunehmend seine "guten Dienste" zur Verfügung stellen konnte, um weltweit bei Flüchtlingskrisen zwischen Regierungen vermitteln zu können. Auf diese Weise konnte er auch die Unterstützung für die ruandischen Flüchtlinge im ostafrikanischen Seenhochland mobilisieren. Durch die Ausweitung der UNHCR-Aktivitäten auf Afrika trug er dazu bei, dass der globale Charakter des Flüchtlingsproblems immer mehr anerkannt wurde. Er war entscheidend daran beteiligt, den politischen Prozess auf den Weg zu bringen, der zur Verabschiedung des Protokolls über die Rechtsstellung der Flüchtlinge von 1967 führte.
1965 - 1977: Sadruddin Aga Khan (Iran)
Prinz Sadruddin Aga Khan war bereits für UNHCR tätig, bevor er zum Hohen Flüchtlingskommissar ernannt wurde. Er leitete Missionen im Nahen Osten sowie in Asien und war von 1962 bis 1966 Stellvertretender Hoher Flüchtlingskommissar. Als er auf das Amt des Hohen Flüchtlingskommissars berufen wurde, überstiegen die UNHCR-Ausgaben in Afrika und Asien bereits die in Europa, was eine definitive Verlagerung von Europa in die Entwicklungsregionen markierte. Er stärkte die Beziehungen des Amtes zu den afrikanischen Regierungen und setzte sich für eine bessere Zusammenarbeit zwischen den UN-Organisationen ein, um Lösungen von Massenfluchtsituationen in Asien und Afrika südlich der Sahara zu erleichtern. Er spielte eine entscheidende Rolle in der Flüchtlingskrise in Bangladesch im Jahre 1971 und bei der Unterstützung der aus Uganda ausgewiesenen Asiaten 1972.
1978 - 1985: Poul Hartling (Dänemark)
Poul Hartling war vor seiner Ernennung zum Hohen Flüchtlingskommissar dänischer Außenminister und Ministerpräsident. Während seiner achtjährigen Amtszeit wurde die Flüchtlingsproblematik durch die Verschärfung des Kalten Krieges zunehmend politisiert. Im Rahmen der umfassenden internationalen Reaktion auf den anhaltenden Massenexodus aus Indochina übernahm das Amt die federführende Rolle in einer großen, komplexen und politisch heiklen humanitären Operation. Unter Hartlings Leitung führte UNHCR weitere große Soforthilfeeinsätze am Horn von Afrika, in Mittelamerika und für die afghanischen Flüchtlinge in Asien durch. Vor allem wegen der Schlüsselrolle des Amtes bei der Bewältigung der vietnamesischen Flüchtlingskrise wurde UNHCR 1981 zum zweiten Mal der Friedensnobelpreis verliehen.
1986 - 1989: Jean-Pierre Hocké (Schweiz)
Jean-Pierre Hocké war vor seiner Ernennung zum Hohen Flüchtlingskommissar der Direktor der operativen Abteilung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz. In seine Amtszeit, während der die indochinesische Flüchtlingskrise anhielt, fiel die Verabschiedung des Umfassenden Aktionsplans, der zur Einführung regionaler Verfahren zur Prüfung der Flüchtlingseigenschaft führte und die freiwillige Rückkehr von vietnamesischen Flüchtlingen vorsah. Hocké trug auch dazu bei, den so genannten "CIREFCA-Prozess" in Mittelamerika auf den Weg zu bringen. In diesem Rahmen wurde versucht, den Frieden in der Region zu konsolidieren, indem man nicht nur die Rückkehrer, sondern weite Teile der vom Krieg betroffenen Bevölkerung unterstützte. UNHCR beteiligte sich in dieser Zeit auch an der Einrichtung und Leitung großer Lager für äthiopische Flüchtlinge im Sudan und für somalische Flüchtlinge in Äthiopien.
1/1990 - 11/1990: Thorvald Stoltenberg (Norwegen)
Thorvald Stoltenberg war vor seiner Ernennung zum Hohen Flüchtlingskommissar norwegischer Außenminister. In seiner kurzen Amtszeit erweiterte UNHCR seine Beteiligung an großen UN-Friedenskonsolidierungsmaßnahmen. In seine Amtszeit fallen mehrere Rückführungseinsätze insbesondere in Mittelamerika. Er gab sein Amt im November 1990 auf, um wieder das Amt des norwegischen Außenministers zu bekleiden. Auf dem Höhepunkt des Balkan-Krieges im Mai 1993 kehrte er als Sonderbeauftragter des Generalsekretärs für das ehemalige Jugoslawien in den Dienst der Vereinten Nationen zurück.
1990 - 2000: Sadako Ogata (Japan)
Vor ihrer Ernennung zur Hohen Flüchtlingskommissarin der Vereinten Nationen war Sadako Ogata Dekanin der Fakultät für Auslandsstudien an der Sophia University in Tokio. Neben ihrer akademischen Tätigkeit nahm sie Aufgaben bei den Vereinten Nationen wahr, beispielsweise 1978/79 als Vorsitzende des Exekutivkomitees von UNICEF, als Mitglied der UN-Menschenrechtskommission und als unabhängige Expertin der Kommission zur Menschenrechtssituation in Birma (jetzt Myanmar). Als Hohe Flüchtlingskommissarin der Vereinten Nationen leitete sie große Kriseneinsätze im Nordirak, in Bosnien und Herzegowina, im Kosovo und im ostafrikanischen Seenhochland. In ihrer Amtszeit nahmen der Etat und die Mitarbeiterzahl von UNHCR um mehr als 100 Prozent zu. Das Amt beteiligte sich zunehmend an der Unterstützung von Binnenvertriebenen und anderen besonders gefährdeten Zivilisten in Konfliktsituationen. Um der Verknüpfung zwischen Flüchtlingen und der internationalen Sicherheit Rechnung zu tragen, bemühte sie sich um den Ausbau der Kontakte zwischen UNHCR und dem UN-Sicherheitsrat.
2001 - 2005: Ruud Lubbers (Niederlande)
Ruud Lubbers, ehemaliger Premierminister der Niederlande, trat sein Amt an, als UNHCR sein 50-jähriges Bestehen feierte. Als Hoher Flüchtlingskommissar richtete er ein besonderes Augenmerk darauf, neue Ansätze zur Lösung der Probleme von Flüchtlingen weltweit zu entwickeln. Unter seiner Leitung führte UNHCR unter anderem große Programme in Westafrika, Angola und Afghanistan durch. Allein in Afghanistan kehrten über drei Millionen Flüchtlinge und Vertriebene zurück. Ruud Lubbers führte auch die Initiative "Convention Plus" ein, welche auf Grundlage der Genfer Flüchtlingskonvention ergänzende Regelungen zum Ziel hatte, um einigen der heutigen Herausforderungen besser begegnen zu können.






